Beilage.
schwerlich eine dem Gan»medes an die Seite zu stellendeFigur finden, nur einer solchen Einsachheit des Umrisses, undbesonders keine, an welcher alle Theile so übereinstimmendwäre». Wie ist es möglich, dass Mengs, dem man mitZiecht in seinen Kövfen die Schwäche des Ausdruks und die jCharakterlosigkeit vorwirft, sich selbst auf einmal so weit über,traf, und den wahrhaft herlichen Kopf des Ganymedes >bildete, von welchem das hohe Lob Winckelmans nichtun-gegründet ist? Unbegreiflich wird es ferner, wie MengS, ^bei seiner sonst etwas ängstlichen Behandlung, bei seiner un> ^behülflichkeit in der Erfindung, und bei seinem geringen Glnke !in der leichten Anordnung der Grupen plözlich ein Bild soll, jte gemalt haben, welches so gan; den antiken Sin atlmM,so leicht und meisterhast behandelt, so zierlich und doch so ein,fach angeordnet ist. Warum malte er nicht immer auf dieseWeise, wen es ihm einmal möglich war? Sei» während !des Lebens genossener Ruhm hätte dan iinmer in gleicher Er>habenüeit ,'ortgeblüht, und er wäre wirklich eine wunderbare !Erscheinung in der Welt gewesen. AuS der rechtlich strengen lGesinnung, die wir im Leben, wie in der Kuiist des Mengswahrnehmen, läfit sich noch ein anderer Grund herleiten, wch !halb er dieses Gemälde nicht verfertigen konte. Er war auskeine Weife wider Winekelman; beiden lag die Erforschung 'der Wahrheit in Sachen des Altertums am Herzen und beidehatten sich gegenseitig viel zu danke». Ohne WinckelmaiisBeihülfe hatte Mengs seine classische Schrift: Gedankenüber die Schönheit, schwerlich zu Staude gebracht; cdcnso erhielt Winekelman von Mengs manche Belehrungüber Kunstwerke. Wie sollte also Mengs, ernst wie er war,aus den Stude»te»streich verfallen sei», vermittelst eines imantiken St»le gemalte» Bildes seinen Freund lächerlich j»machen, und dessen Werk, welches auch ih» verherlichte, inseinem Ansehen zu beeinträchtigen?
Wir wissen wohl, daß diese Gründe sür die Äcbtheit dcsGemäldes eigentlich nicht beweisen, sondern solche bloswahrscheinlich machen hellen; allein sie scheinen wenigstenseben so annehmlich als jene Sagen, welche, wen man ihrenUrwruug untersucht, nicht die Wahrheit zum Ziele haben, son>dern nur die Kunst des Mengs in die Hohe erheben wollen.Weder Maron, noch Reissensiein, noch Azara woll,ten dadurch Winckelmans Ruhn, verkleinern, seine Vw