ZL6 Geschichte der Kunst.
Steine/ wie iz»/ mit dem Rade geschnitten worden,wie der Anblik selbst zn geben scheinet/ so war derleichteste Weg im Drehen durch Rundlingen eine Fi-gur auszuarbeiten und hervorzubringen; und ver-muthlich verstanden die ältesten Steinschneider nicht,mit sehr spizigen Eisen zu arbeiten. Die kugellich-ten Formen wären also kein Grundsaz der Kunst,sondern ein mechanischer Weg in der Arbeit. Diegeschnittenen Steine ihrer ersten Zeiten aber sinddas Gegentheil ihrer ältesten Figuren in Marmorund in Erzt; und es' wird aus jenen offenbar, daßsich die Verbesserung der Kunst mit einem starkenAusdruke, und mit einer empfindlichen Andeutungder Theile an ihren Figuren angefangen habe, wel-ches sich auch an einigen Werken in Marmor zei-get; und dieses ist das Kenzeichen der besten Zeitenihrer Kunst.
Z. S. Um welche Zeit sich dieser Styl völliggebildet, lasset sich nicht bestimmen; es ist aberwahrscheinlich, daß es mit der Verbesserung dergriechischen Kunst zu gleicher Zeit eingetroffen sei.Den man kan sich die Zeit vor und unter dem Phi-dias wie die Wiederherstellung der Künste undWissenschaften in neueren Zeiten / vorstellen/ welchenicht in einem einzigen Lande allein anfing/ undsich hernach in andere Länder ausbreitete; sonderndie ganze Natur der Menschenkinder schien damalsin allen Ländern rege zu werde,,/ und die großenErfindungen thaten sich mit einmal hervor. ZnGriechenland ist dieses von besageter Zeit in allerleiArten von Wissenschaften gewiß/ und es scheinet,daß sich damals auch über andere gesittete Völkerein allgemeiner Geist ergossen / welcher sonderlichin die Kunst gewirket/ dieselbe begeistert und bele-bet habe.