2 Buch, 2 Kap.
173
Der Nabel ist/ an Männern sowohl als anWeibern/ ungewöhnlich tief und hohl gearbeitet.
§. to. Den gegebenen Anzeigen von der Kunstunter diesem Volke zufolge/ kan man ein jedes ein-zelne abgebrochene Theil einer Statue unterschei-den und sagen/ ob es ägyptisch oder griechischist. Ein Bildhauer zeigete mir einen Schenkel nebstdem Knie einer knicenden Figur von grünlichem Ba-salte/ als eine ägyptische Arbeit; ich bewies ihmaber aus den ausgedrüketen Knochen und Knorpelndes Kniees/ daß es/ ohngeachtet des ägyptischen
man pflegt dasselbe/ eben so wie den etwas zn lang seinsollenden linken Fuß des Apollo i»> Belvedere,gewöhnlich damit zu entschuldigen, daß der Künstler die-sen etwas zurükstehenden Theilen absichtlich so viel habezulegen wollen, als sie im Auge des Beschauers durchdas Zurnkweichen etwa verlieren möchten. Allein wirsürchte» sehr, diese Vermittelung sei in ihrer Art einnoch größerer Fehler als diejenigen, welche man damitzu entschuldigen gedacht hat. Den ein plastisches Kunst«werk, woran dergleichen Silstema von Vergrößerung derentsernren und folglich auch verhältnißmäßiger Verklei-nerung der naher herantretenden Glieder durchgeführtwäre, müßte nothwendiger Weise, durch Verrükung allerProportionen, Auge und Geschmak beleidigende Seiten-ansichten darbieten. Indessen bedürfen die gedach-ten antiken Meisterstüke keiner so gesuchten Entschul-digung, weil die ungleiche Länge der Beine am Sohnedes Laokoon sowohl, als der Füße am Apollo weitunbedeutender ist, als die Sage sie zu machen pflegt/besonders an lezterem. Was serner die ungleich langenFüße einiger ägyptischen Statuen betrift/ so passen, dadie Kunst an ihnen einfacher und roher ist, jene verspec«tivischen Entschuldigungsgründe »och weniger, als fürdie griechischen Statuen, und man wird also am besten thun,die Sache geradezu für einen Fehler zu halte». M e >> e r.
tDer Autor spricht hier lediglich von dem länger» hinter«wärts stehenden rechten Fuße ägyptischer Statuen,wie sich g»5 dem: an einer von ienen, ergibt.)