des Schönen!c. 26t
scheinlichen Walirheit/ «nd die von allen durchHülfe der Sinne begriffen wird.
§. 36. In der Baukunst ist das Schöne mehrallgemein/ weil eS vornehmlich in der Propor-tion bestehet: den ein Gebäude kail durch dieselbeallein/ ohne Zierate»/ schön werden und sein. DieBildhauerei hat zwei schwere Theile/ nämlich dasColorit/ und Licht und Schatten nicht/ durchwelche die Malerei ihre größte Schönheit erhebet/und also ist es stufenweis leichter/ die eine/ als dieandere Kunst/ zu besizen und einzusehen. Aus diesemGrunde konte Bernini/ ohne Gefühl des mensch-lichen Schönen/ ein großer Baumeister sein/welches Lob derselbe in der Bildhauerei nichtverdienet. Dieses ist so Mich/ daß es mich wun-dert/ wie es Leute geben können/ welche gezwei-felt/ ob die Malerei oder die Bildhauerei schwerer^ sei: den daß es in den neuern Zeiten weniger guteBildhauer/ als Maler/ gegeben/ kan dieses nichtzweifelhaft machen. Hieraus folget/ da das Schönein der Bildhauerei mehr/ als in de« beiden andernKünsten/ auf Eines gerichtet ist/ daß die Em-pfindung desselben in diesen so viel seltenersein müßc/ da dieselbe in jener Kunst selten ist/wie sich dieses auch sogar in Rom selbst an denneuesten Gebäuden offenbaret/ unter welchen wenigenach den Regeln der wahren Schönheit ausgeführetsind/ wie cS die von Vignola ohne Ausnahme zusein pflegen. In Florenz ist die schöne Baukunstsehr selten/ so daß nur ein einziges kleines HauSschön heiissen kan/ welches auch die Florentiner alsein Wahrzeichen weisen: eben dieses kan man> von Neapel sagen. Venedig aber übertrift diese bei-den Städte durch verschiedene Paläste am großenCanale/ welche von Palladio aufgeführet sind.Man mache selbst den Schluß von Italien auf an-