der gricch. Werke tc. 36
ren Zeiten zuerst zu empfinden und zu entdeken/und was sein größtes Glük war/ schon in einemAlter/ in welchem gemeine und halbgeformte See-len über die wahre Größe ohne Empfindung bleiben.
Z. 91. Mit einem Auge/ welches' diese Schön-heiten empfinden gelernet/ mit diesem wahren Ge-schmake des Altertums/ muß mau sich seinen Wer-ken nähern. Alsdan wird uns die Ruhe und Stilleder Hauptfiguren in Ra.phaelS Attila/ welchevielen leblos scheinen / sehr bedeutend und erhabensein. Der römische Bischof/ der das Vorhaben desKönigs der Hunnen/ auf Rom loSzugehen/ abwen-det/ erscheinet nicht mit Gebärden und Bewegun-gen eines Redners'/ sondern als ein ehrwürdigerMail/ der blos durch seine Gegenwart einen Auf-ruhr stillet; wie derjenige/ den uns Virgil be-schreibet :
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mit einem Gesichte voll göttlicher Zuversicht vor denAugen des Wütherichs. Die beiden Apostel schwebennicht wie Würgengel in den Wolken/ sondern weneS erlaubet ist/ das' Heilige mit dem Unheiligen zuvergleichen/ wie Homers Jupiter/ der durch dasWinken seiner Augenlieder den Olympuserschüttern machet.
Z.S2. Algardi/ in seiner berühmten Vorstel-lung eben dieser Geschichte in halberhobener Arbeit/an einem Altar der St. Peters'kirche in Rom/ batdie wirksame Stille seines großen Vorgängers denFiguren seiner beiden Apostel nicht gegeben/ oderzu geben verstanden. Dort erscheinen sie wie Ge-sandte des Herrn der Heerschaaren : hier wiesterbliche Krieger mit menschlichen Waffen.
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