XVIII. WinckelmaitS
Geschiklichkeit/ der Jugend seinen Unterricht klar/faßlich und schön beizubringen/ auch an der huma-nen Behandlungsart/ die er als Lehrer der Huma-nität für die erste Pflicht hielt/ hatte niemand dieFrechheit / etwas' zu tadeln. Man mußte einen andernGrund zur Beschuldigung aufsuchen/ und fand den/welchen seine Talente und Geschiklichkeiten selbst andie Hand gaben/ dazu am tauglichsten: er sollte ge-rade wegen seines hohen Geistes ein mittelmäßigerSchulman gewesen sein, und die Verbindlichkeit,die ihm als Lehrer oblag/ vernachläßigt haben.JustuS Niedel/ Herausgeber der wiener Auf-lage der Kunstgeschichte/ schreibt: „Win-„ ckelman/ den Kopf voll hoher Absichten/ muß-„ te nothwendig seinen Schülern zu Seehausen„eben so mittelmäßig vorstehen/ als Jupiter„dem Himmel/ so lange Minerva in seinem Ge-„ Hirne ein Embryo war. " Dieses ist doch wohlnur eine ingeniöse Vermuthung? Oder mußte daserste Stük dieser Phrasis hier angebracht werden/nm das schöne Gleichniß zu unterstiizen? — Lassenwir diese Beschuldigung unterdessen fahren; eine andere/welche der Man in die Welt schikte/ der den Be-schuldigten selbst empfohlen hatte/ ist wichtiger. B o Il-sen in feiner eigenen Lebensgeschichte versi-chert „ohne allen Eigenruhm (der seine etwaigen gu-„ ten Eigenschaften nie vergiftet habe / und den er„ gegenwärtig/ da er mehr in den Gefilden des Todes„ wandle/ und sich den heiligen Sonnenstrahlen der„Wahrheit nähere/ noch weniger ausstehen könte/)„ daß er in denanderthalb Jahren seinesConrectoratS„ zu Seehausen für die Wissenschaften und Humani-„ tät in der Schule ungleich mehr gethan habe/ als
i) S. XI.III. in der Vorrede.
2Z Quedlinburg, t7S5. l B. 223 S.