Biographie.
VII.
er selbst trieb; und so wurde es dem Knaben / der in sicheine starke Lust zum Studiren verspürte/ schwer/seinen Vater dahin zu bringen/ daß er diese Lustbilligte/ und sich über das damals in Stendal wieanderwärts herschende Vorurtheil/ „ nicht nur der„ Schuster/ sondern auch dessen Sohn müße bei dem„Leisten/ oder doch in seiner niedern Sphäre blei-„ den / " hinivegseztc. Endlich aber gab der Vaterden wiederholten Bitten des Sohnes nach/ undließ ihn die lateinische Schule besuchen. Das Schul-geld verdiente sich der junge Winckelman sogleichdadurch/ daß er unter die Anzahl der Chorsängeraufgenommen wurde/ und nicht lange hernach be-mühte er sich/ mittelst des Unterrichtes/ den er an-dern Kindern ertheilte/ wie z. B. denen des Ober-gerichtsrathes Golddeck/ so viel zu erwerben/ alsihm zur Anschaffung der unentbehrlichsten Büchernöthig war.
Die Jugendfreunde Winckelmans versicherneinstimmig/ daß er sich durch einen beispiellosen Fleißvor allen seinen Mitschülern ausgezeichnet habe;und dieses ist um so glaubwürdiger/ da ihn nichtseine Eltern/ sondern sein eigener unmittelbarerTrieb und seine erwachenden großen Talente/ dieeinzigen wahren Führe"/ auf den Pfad zum Tem-pel der Minerva geleitet hatten.
Weder das seltene Talent noch der unermüdlicheEifer des Schülers/ der einst in seiner Art großwerden sollte/ blieben von den Lehüern unbemerkt;allein es handelte sich hier nicht nur um Unterricht/sondern auch um Unterstüzung. Diese wurde ihm durchdas Unglük eines würdigen und gelehrten Mannes / desReclorS EsaiaS Wilhelm Tappert / ^) zu Theil.
1) So hieß dieser Wohlthäter Winckelmans, nicht aber
Tovvert, wie er häufig genant worden; und er ist
es werth, daß sein Name unverdorben bleibe.