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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
347
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Zuchen in Pommern, dem ehemals Schwerinschen Besitzthum, 1 ' welches zu jener Zeit aber der Wittwe desKriegsraths Christian Albrecht von Hirsch, Charlotte Eleonore geb. von Heydebreck, gehörte.

5, Freiherr Philipp Bogislav.

1687 -1733.

(2. Sohn von No. 1, Vater von No. 8 bis 11.)

geboren zu Putzar 2 ' 7. Januar 1687, trat 1700 bei der Preussischen Leib-Garde 3 ' ein, ward 1702 Fähnrichim Infanterie-Regiment Markgraf Philipp No. 2 und machte mit diesem den spanischen Erbfolgekrieg inBrabant mit, insbesondere die Belagerungen von Venloo, Roermonde, Bheinberg und Geldern, sowie dieSchlacht bei Höchstädt (13. August 1704); ward 1704 Lieutenant und 1705 als Hauptmann zu demneu errichteten Dragoner-Regiment Derffling No. 3 versetzt, bei welchem er am 23. Mai 1706 in derSchlacht bei Ramillies mitkämpfte. 1706 nahm er den Abschied und trat im selben Jahr als Brigade-Major von der Kavallerie in Königlich dänische Dienste über, wohnte als solcher 1707 den Belagerungenvon Ostende und Manningen bei, schied aber 1708 wieder aus; ging 1709 mit besonderen Aufträgen desKönigs Stanislaus von Polen nach der Türkei zu König Carl XII von Schweden, und trat 1710 in diesesberühmten Kriegshelden Dienste als Oberst im Bremenschen Dragoner-Regiment. Als solcher ward er1712 bei der Belagerung von Stade dänischer Kriegsgefangener, aber sogleich wieder ausgewechselt und1715 zum Generalmajor von der Kavallerie befördert. In demselben Jahr wurde er bei der Belagerungvon Stralsund verwundet und gerieth so abermals in dänische Kriegsgefangenschaft, in welcher er bis 1717verblieb. 4 * Gleich nach seiner Rückkehr wurde er zum Chef des Regiments Smäland ernannt und am7. December 1717 in den Schwedischen Freiherrnstand erhoben. 5 ) Er commandirte 1718 in den Lauf-gräben vor Friedrichshall und war in der Nähe, 6 ' als König Carl XII am 11. December daselbst erschossenwurde. Er nahm gleich darauf seinen Abschied aus Schwedischen Diensten und trat 1719 als General-lieutenant in die Kaiserlich Russische Armee, wurde 1732 Reichs-Feldmarschall-Lieutenant undcommandirte 1733 unter dem Feldmarschall Lascy die eine Kolonne von 24000 Mann, welche nebst zweianderen Kolonnen die Wahl des Königs August III in Polen deckte, und den König Stanislaus nach Danzigtrieb; ging dann mit der sächsischen Armee nach Persien, und wurde später 7 ' an Stelle des verstorbenenGrafen von Weissbach General-Commandant (Oberbefehlshaber) aller Kaiserlich Russischen Truppenin der Ukraine; auch war er Ritter des St. Andreas-Ordens, des höchsten Russischen Ordens. Erstarb in der Ukraine 20. März 1733. 8 '

Der General war zweimal vermalt: 1) mit einer Freiin von der Horst aus dem Jülichschen, welchezur katholischen Kirche gehörte, und von welcher er nach einigen Jahren wieder geschieden wurde;2) 24. Juli 1720 mit Hedwig Eleonore Gräfin von Cronhjelm, Tochter des Schwedischen ReichsrathsSalomon Grafen und Freiherrn von Cronhjelm af Hakunge und der Charlotte geb. Freiin von Sparre. Siewar geboren 8. März 1698 und starb 19. März 1748.

Der General war 1705 und 1713 mit den väterlichen Lehngütern, gemeinsam mit seinen Brüdernund Vettern, belehnt worden, 9 ' entsagte aber am 15. December 1713 in einem Erbvergleich mit seinenBrüdern 10 ' zu Gunsten derselben seinem Lehnrecht an den unter brandenburgischer Oberhoheit gelegenenväterlichen Lehen, wogegen jene zu seinen Gunsten sich ihres Lehnrechts an den Spantekowschen Lehen 11 'begaben. In dem 1715 den Schwerins vom König Friedrich Wilhelm I von Preussen ertheilten Lehnbrieferscheint er jedoch wieder gemeinsam mit seinen Brüdern. 12 '

1) Vgl. bei Taf. XVII. 8, auf S. 296; auch XVIII. 1, 4, 24. 2) Dort wohnte der Vater seiner Mutter; vgl. bei Taf. VIII.56. Kirchenbuch von Altwigshagen: getauft zu Putzar 19. Januar. 3) Später Regiment No. 6, Grenadier-Garde-Bataillon, diebekannte Riesengarde Friedrich Wilhelms I. 4) Im Freiherrn-Diplom heisst es: bis er sich davon gemacht und neulich zu uns her-über gekommen. 5) U. B. II. 689. Das daselbst mitgetheilte Freiherrn-Diplom giebt einen kurzen Abriss der Lebensschicksaledes Generals bis 1717. BagmihI, Pomm. Wappenbuch III. Taf. XXVIII. Svea Rikes Vapenbock. Frih. Tab. 7. 6) Voltaire,Histoire de Charles XII. 7) Nach dem Genealogischen Archivarius auf das Jahr 1736 übernahm er im Februar 1736 dasKommando an Weissbachs Stelle. 8) Diese, einem Schwedischen Adelslexikon entnommene, Angabe seines Todesjahrs scheint im Hinblick auf die Angaben über seine Thätigkeit in Russischen Diensten irrthümlich zu sein. Vgl. insbesondere dievorhergehende Anmerkung. 9) U. B. II. 677, 686. 10) Königliche Bestätigung desselben vom 29. April 1715; U. B. II. 687.

11) Die Ansprüche auf Spantekow begründeten sich damals vermuthlich auch auf die Belehnung des Generalmajors Bogislavvon Schwerin (Taf. XVII. 8); vgl. U. B. II. 645. Vgl. übrigens bei Taf. VIII. 53, 54 und XII. 11. 12) U. B. II. 688.