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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
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brache des Krieges 1806 zum Major befördert, kämpfte er muthig in der unglücklichen Schlacht bei Auer-städt (14. October), in welcher er bei der Attacke auf ein französisches Carree eine matte Kugel über demKnie erhielt, während sein Pferd unter ihm verwundet wurde. Er folgte darauf dem Könige nach Königs-berg und Memel, und nahm an den meisten bei jenem Zuge fast täglich vorkommenden Gefechtenmit Auszeichnung Theil. Nach dem Frieden von Tilsit ging er im December 1807 nach Wolfshagen underhielt dort im Sommer 1808 den erbetenen Abschied, wobei jedoch König Friedrich Wilhelm III persönlichäusserte: Es thut mir leid, Sie zu verlieren; aber ich bin auch überzeugt, dass ich wieder auf Sie rechnenkann, wenn ich einst erprobte Offiziere brauchen sollte. Sie und Ihre ganze Familie sind mir und meinemHause immer wahrhaft zugetlxan gewesen. Auf den 1813 erlassenen berühmten Aufruf des Königs an seinVolk trat auch Graf Wilhelm wieder in die Armee, zunächst zum Stabe des Generals Grafen von Tauentzien;erwarb in der Schlacht bei Gross-Görschen (2. Mai) das eiserne Kreuz 2. Klasse; 1 ) wurde am 16. August

1813 als Oberstlieutenant dem Regiment der Gardes du Corps aggregirt, bald darauf zum Flüge1-Adjutanten Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm III ernannt und in dessen Hauptquartier nachTeplitz berufen. Zuvor jedoch kämpfte er noch in der Schlacht bei Grossbeeren (23. August) mit, undnahm dann im Gefolge des Königs an allen Schlachten und Gefechten Theil, bei denen das Hauptquartierzugegen war, insbesondere an der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 18. October 1813). Nach dieserletztgenannten wurde er dem Hauptquartier des Feldmarschalls Blücher zugetheilt, mit welchem er denganzen Siegeszug bis Paris mitmachte: insbesondere ging er mit demselben am 2. Januar 1814 bei Caubüber den Khein, entging in der Schlacht bei Brienne (29. Januar) kaum der Gefangenschaft, kämpfte mitin der Schlacht bei la Rothiere (1. Februar) und endlich bei der Erstürmung des Montmartre (30. März). Beidem Einzüge in Paris (31. März) befand er sich im Gefolge des Königs, ward darauf zum Oberst befördertund erhielt die 1. Klasse des eisernen Kreuzes, sowie den Russischen Wladimir-Orden 3. Klasseund den Oesterreichischen Leopold-Orden. Auf Befehl des Königs überbrachte er dann die Siegesbot-schaft nach Berlin, woselbst er nach einem förmlichen Triumphzuge durch Deutschland am 10. April

1814 einritt; voraus 24 blasende Postillone und gefolgt von einer militärischen Escorte. Nach Paris zurück-gekehrt begleitete er darauf den König auf dessen Reise nach England, welche durch den für Preussen be-kundeten Enthusiasmus der Engländer eine so merkwürdige wurde. Ebenso begleitete er später den Königzum Kongress nach Wien.

Als nach der Rückkehr Napoleons von Elba der Krieg 1815 von Neuem ausbrach, erhielt er dasKommando einer Kavallerie-Brigade von drei Regimentern, zu der Kavallerie-Division des PrinzenWilhelm von Preussen, Bruders des Königs, und zu dem unter dem General Grafen Bülow von Dennewitzneu errichteten 4. Armee-Corps gehörig. An der Spitze dieser Brigade fand er in der Schlacht bei Belle-Alliance am 18. Juni 1815 den Heldentod. 2 ' Kurz vor dem Hervorbrechen auf den Feind, bei dem DorfeLasnes, unweit Chapelle St. Lambert, ungefähr Nachmittags 4 Uhr, schlug eine Haubitz-Granate dicht vorihm ein, platzte, sein Rappe ging hoch in die Höhe, und ohne ein Zeichen des Lebens und Schmerzes,den Feind noch unverrückt im Auge, sank er rücklings vom Pferde, 3 > lautlos und edel , wie Prinz Wilhelmschrieb. 4 * Unweit der Stelle, wo er fiel, befindet sich unter einer Buche sein Grab.

Er hatte sich vermält zu Berlin 8. Juni 1805 mit seiner Nichte Amalia Sophie Gräfin von Dön-hoff, der ältesten Tochter seiner Schwester Sophie (No. 10). Dieselbe war geboren 16. Juli 1785 undlebte nach dem Tode ihres Mannes noch 48 Jahre lang als Wittwe, zuletzt in dem ihr gehörigen Hause,Wilhelmstrasse 63, zu Berlin, woselbst sie 27. Januar 1863 im 78. Lebensjahre starb.

Sie war eine hochherzige und edle Frau, ausgezeichnet durch hervorragende Gaben des Geistes undHerzens, sowie auch in ihren jüngeren Jahren durch eine ungewöhnliche Schönheit; dabei besass sie einevortreffliche Bildung, und ihr thätiger Geist und die Liebe Gottes, die sie erfüllte, schufen auch der kinder-losen Wittwe auf den verschiedensten Gebieten einen umfassenden und segensreichen Wirkungskreis Vonihren schriftstellerischen Arbeiten erschienen 1852: die Wege zum inneren Frieden, und nach ihrem Tode

1) Schöning, Gesch. d. Regts. Garde du Corps. 2) v. Ollech, Geschichte des Feldzuges von 1815. Berlin 1876. S. 243.

3) Der tödtliche Schuss hatte ihn am Kopfe getroffen. 4) Aus einem Briefe des Prinzen an seine Gemalin. Blücher soll dem

Courier, welchen er mit der Siegesnachricht abfertigte, gesagt haben: Sagen Sie dem Könige, ich hätte noch keinen solchen Siegerlebt, aber wir haben ihn auch theuer bezahlt und Schwerin ist geblieben. 5) Nekrolog der Gräfin Sophie von Schwerin vomProfessor Schottmüller. Nachruf aus No. 26 der Neuen Preussischen (Kreuz-) Zeitung vom 31. Januar 1863, von Bernhardvon Lepell. Letzterer widmete ihr auch einen besonders schönen poetischen Nachruf: Sophie Schwerin , der in ihrem weiterhinerwähnten Lebensbilde abgedruckt ist. 6) Eine von der Kreuz-Zeitung 1864 gebrachte Kritik äussert darüber: Was dem Buchesolche Anziehungskraft verlieh, war nicht sowohl sein Gegenstand, der so unendlich oft und immer wiederkehrend, aber in einer traditio-nellen Manier behandelt wird, sondern es war die tiefe Innerlichkeit, verbunden mit einer Anmuth, ja Eleganz der Form, wie man ihreben auf diesem Gebiet zu begegnen nicht gewohnt ist. Auch Damaris, dessen Inhalt bei dieser Gelegenheit mitgetheilt wird, wirdsehr günstig beurtheilt.

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