Als im Jahr 1637 Herzog Bogislav XIV gestorben und mit ihm das alte Pommersche Herrscherhauserloschen war, begab sich Otto zugleich mit seinem Bruder Bogislav (Taf. XVII. 8) nach Königsberg inden Dienst 1 ) des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg, ward daselbst Kammerjunker der KurfurstinElisabeth Charlotte, einer Schwester des sogenannten Winterkönigs Friedrichs V von der Pfalz, setzte jedochgleichzeitig an der dortigen Universität seine Studien fort 2 * und trat zur reformirten Kirche über, welcherauch der Brandenburgische Hof angehörte. Schliesslich machte er die zur Vollendung einer guten edel-männischen Erziehung damals nöthig erachtete Reise und scheint grade nach Königsberg zurückgekehrt zusein, als Kurfürst Georg Wilhelm daselbst am ^-^^," 1640 sein Leben beschloss.
Der neue Kurfürst Friedrich Wilhelm bezeugte dem nur um 4 Jahre älteren Kammerjunker sogleichsein volles Vertrauen. Vermuthlich hatte er ihn schon am Hofe des Pommern-Herzogs in Stettin 3 ) kennenund schätzen gelernt; wie es denn vielleicht schon eine Folge jener Bekanntschaft war, dass Otto überhauptan den Brandenburgischen Hof ging; und in dem ziemlich rohen und wüsten Treiben jenes letzteren schlosssich dann wol des jungen Fürsten gleichgestimmte Seele der ernsten, sittlich-strebenden Richtung des Pom-merschen Edelmannes an. Genug, bald nach der Thronbesteigung schon betraute er den 24jährigen Ottomit nicht unwichtigen diplomatischen Sendungen. Als eine solche muss man unter den obwaltenden Ver-hältnissen 4 ) den Empfang des Kaiserlichen Gesandten Grafen Martinitz bezeichnen, welchem Otto im Februar"1641 nach Brandenburg entgegen geschickt wurde, um ihn von dort nach Königsberg zu geleiten. Gleichdarauf eilte er nach Stettin, um dort mit Liliehöck, dem schwedischen Präsidenten von Pommern,wegen des Waffenstillstandes zu unterhandeln. Nachdem er dann am 29. April 1641 zum Hof- undKammergerichts-Rath ernannt war, ging er im Februar 1642 zu Verhandlungen in das SchwedischeHauptquartier nach Salzwedel. Ueber diese letztgedachte Sendung erstattete er unter dem 17./27. Februareinen ausführlichen Bericht, welcher als erstes bedeutenderes Schriftstück aus seiner Feder uns aufbe-wahrt ist. 5 )
Am 23. October 1645 ward er zum Geheimen Rath ernannt und ihm die Oberaufsicht über diehe rrschaftlichen Gefälle (Domänen) übertragen; am 6. September 1646 ward er ausserdem zum Lehnsrathbestellt. 6 ) Zu jener Zeit finden wir ihn während mehrerer Jahre in besonderer Thätigkeit bei den Verhand-lungen mit den oppositionellen Ständen in Cleve und in Sachen der in engem Zusammenhang damit stehendenAllianz mit den Generalstaaten. 7 )
Zu Ende des Jahres 1646 begleitete er den Kurfürsten zu dessen Vermälung mit der Prinzessin Luisevon Oranien, welche am Dezember im Haag stattfand und bei welcher Gelegenheit er die Ehepakten aufsetzte,und einige Tage darauf erfolgte seine Ernennung zum Hofmeister der jungen Kurfürstin, welches Amtvon der grössten Bedeutung für ihn werden sollte. 8 )
Das nahe Verhältniss, in welches Otto durch diese Stellung zu dem Hause Oranien trat, blieb nichtohne Einfluss auf seine ganze politische Anschauung und Richtung; vorzüglich war es die kluge und geist-volle Mutter der Kurfürstin, die Prinzessin Amalie von Oranien, eine geborene Gräfin zu Solms, deren poli-tischer Scharfblick und deren reifes Urtheil in öffentlichen Dingen wiederholt bestimmend auf des Kurfürstenund Schwerins Pläne und Erschliessungen einwirkten , 9 ) Insbesondere aber ward auch durch dieses Amtder erste Grund gelegt zu jenem reinen und schönen Verhältnisse, das zwischen der Kurfürstin und ihremersten Diener bis zum Tode der Ersteren ungestört bestand, und von dem zahlreiche zwischen ihnen gewechselteBriefe ein so schönes Zeugniss ablegen. 10 )
Bei den Verhandlungen in Münster und Osnabrück, welche 1648 zum Abschluss des westfälischenFriedens führten, war Otto nicht unmittelbar betheiligt. Vorzüglich seinem Einflüsse ist jedoch die endlicheAnerkennung der bei dieser Gelegenheit von Kurbrandenburg gestellten Forderung zuzuschreiben, dass dieReformirten als innerhalb der Augsburgischen Konfession Stehende betrachtet und ihnen gleiche Freiheitenund Rechte mit den Lutheranern bewilligt wurden. 11 )
1) Vgl. U. B. II. 638. 2) Dass Otto auch in Frankfurt, Leyden und Strassburg soll studirt haben, beruht auf einerVerwechselung mit seinem gleichnamigen Sohn (No. 4). 3) Dorthin war 1632 der damalige Kurprinz der Unruhen des 30jahrigenKrieges wegen in Sicherheit gebracht. 4) Vgl. v. Holly a. a. 0., ferner: Droysen, Geschichte der Preuss. Politik, der Staatdes grossen Kurfürsten, 1. Th. S. 166. 5) v. Holly a. a. 0.: es ist ein Meisterstück an Schärfe und Klarheit, auch zeigt die Spracheden Fiuss und die Gewandtheit, welche fast alle Arbeiten dieses Staatsmannes auszeichnen. Zugleich bietet sich uns hier ein Zeugnissvon der Begabung Schwerins für diplomatische Geschäfte. 6) U. B. II. 605. 7) v. Holly a. a. 0. 8) v. Holly a. a. 0.: Diejunge Fürstin — denn ohne ihren Wunsch war diese Ernennung gewiss nicht geschehen — hätte nicht besser wählen können; sie gewannin Schwerin nicht allein einen geschäftsgewandten Diener, einen Hofmann, dessen Würde und imponirendes Wesen ihn durchaus geeignetmachte, einem fürstlichen Hofhalte zu präsidiren, sondern auch einen treuen Rathgeber und Freund. 9) Die Correspondenz derPrinzessin mit Otto ist abgedruckt bei Orlich III. S. 481 -535. 10) Die Briefe der Kurfürstin s. bei Orlich III. S. 422- 478.11) Vgl. R. v. Holly a. a. 0. — Droysen III. 1, S. 236, 238. — Orlich I. S. 94.
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