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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
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ritt auf der Feldflur bei Striegau. 1 ) Bereits 1744 hatte der König den Kommandeur wohlmeinend und inGnaden gewarnt, wegen des Trunkes mehr Acht auf sich zu haben, auch die familiäre Gesellschaft mit denSubaltern-Officiers gänzlich zu unterlassen. Nun rügte der König in einem Schreiben aus Potsdam vom26. April 1746: er halte die Officiers nicht kurz genug, er solle das Saufen unter ihnen abschaffen, undäusserte sich in ähnlicher Weise missbilligend in einigen weiteren Ordres. 2 *

Im Uebrigen fuhr der König, von der anderweitigen Tüchtigkeit und Yerdienstlichkeit des Generalsüberzeugt, fort, demselben Beweise seiner Gnade zu geben; so übertrug er ihm im December 1747 dieAmtshauptmannschaft zu Stettin und 1748 auch die von Fischhausen, von denen jede mindestens500 Thaler jährlich eintrug; lud ihn auch 1747 zu sich nach dem Weinberg bei Potsdam, dem neu ent-standenen Sanssouci, ein, und beförderte ihn am 1. Juli 1755 zum Generallieutenant. Auch erwarbdas Regiment bei den Revuen stets die Allerhöchste Zufriedenheit. Aber aus den vorher erwähnten Vor-kommnissen hatte sich doch beim Könige die Meinung festgesetzt, als wäre das Regiment dem Trünke er-geben, 3 'und äusserte er dies gradehin beim Schluss der Revue bei Stargard 1755, indem er sehr vernehm-lich und kräftig eine Nase an den General verabfolgte. Das veranlasste diesen hitzig, wie er war undrecht derb in damaliger Pommernweise seinen Pallasch in die Scheide zu stossen und dabei zu äussern:Ein Hundsfott, der ihn noch einmal zieht / 4 ) Der grosse König liess diese allerdings starke Uebereilungdem weit und breit renommirten Reitergeneral, der viel vor Vielen voraus hatte, nicht entgelten, aber dasVerbleiben desselben im Dienst war vorläufig selbstredend unmöglich. Der General begab sich nach Pom-mern auf sein Gut und lebte dort als Privatmann, ohne jedoch den nachgesuchten Abschied zu erhalten.Vor Ausbruch des siebenjährigen Krieges, im Sommer 1756, musste er sich auf wiederholten KöniglichenBefehl in Potsdam einfinden. 5 ) Der König verzieh ihm und gestattete ihm da er sich verschworen, denPallasch wieder zu ziehen mit den Worten: Ein Schwerin kann auch ohne Degen seine Soldaten zumSiege führen, an dessen Stelle eine Reitgerte in der Rechten zuführen. Diese Vergünstigung, welche sichselbst auf den Fall erstreckte, wenn der General seinem Königlichen Herrn das Regiment vorführte, stehteinzig da in der Geschichte der Preussischen Armee. Am 1. October 1756 befehligte so der General inder Schlacht bei Lowositz den Kavallerie-Flügel des zweiten Treffens.

Zu Anfang des Jahres 1757 erneute Otto Martin im Winterquartier zu Dresden sein Abschiedsgesuchwegen körperlicher Leiden ; nach anderer Lesart: in Folge eines unangenehmen Zwiegesprächs mit demPrinzen Moritz von Anhalt-Dessau, 6 ) erhielt am 18. Februar 1757 den Abschied und begab sich auf seineGüter nach Pommern.

Dort hatte der General zunächst 1720 von seinem Grossvater (No. 1) dessen Besitz in Busow, ge-meinsam mit seinem Bruder (No. 8), geerbt, hatte dann am 26. October 1724 den vom Hauptmann WernerDettlof von Schwerin (Taf. VI. B. 1) daselbst noch besessenen Antheil, ebenfalls mit seinem Bruder ge-meinsam, gekauft, ferner durch Tausch gegen das 1743 von den Maltzans gekaufte Gut Hohen-Bollentinam 2. November 1743 auch den landesfürstlichen Antheil 7 ) daran erworben, und war endlich 1750, als auchdie Erbschaft seines Bruders ihm zufiel, in den alleinigen Besitz von ganz Busow gelangt. Auch einenmehr als hundertjährigen Rechtsstreit mit der Stadt Anclam wegen des sogenannten Müggenwinkels hatteer 1746 durch einen Vergleich dahin beendet, dass dieser streitige Theil zwischen Busow und Anclam ge-theilt wurde. 8 )

Ueberdies kaufte der General am 30. Juli 1761 9) vom Hauptmann Leonhard von Eickstedt für15500 Thal er das Gut Dargibell, erblich und einschliesslich der Lehns-Gereclitigkeit. 10 )

Nachdem er sehr eifrig für die Verbesserung dieser Güter Sorge getragen, überliess er dieselben nochbei seinen Lebzeiten durch Vertrag vom 30. December 1773 seinen Söhnen; Ludwig (No. 15) erhielt Dargi-bell und Moritz (No. 17) Busow.

1) Graf zur Lippe, Militaria a. a. O. 2) Abgedruckt bei Ravenstein, Geschichte des 2. Kürassier - Regiments Königin,

Minden 1842. 3) Ausser dem Vorwurf des Trunkes war der König vermuthlich auch ungehalten wegen verschiedener Excesse,welche Seitens des Regiments bei den Werbungen verübt sein sollten und mit deren Untersuchung am 15. November 1756

der Fürst Moritz von Anhalt-Dessau betraut wurde. Vgl. Anm. 6. 4) Graf zur Lippe a. a. O. Ravenstein, Geschichte des2. Kürassier-Regiments. S. 60 ff. 5) Des Generals erste Begegnung mit dem Könige nach dem Vorfall bei Stargard wird in

novellistischer, also vielfach ausgeschmückter Weise, erzählt in: Bilder aus Berlins Nächten von L. Schneider, No. 14: der alte

Zieten, die Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1756. Abgedruckt bei Ravenstein, Gesch. des 2. Kürassier-Regiments, S. 63 ff.

6) Leopold von Orlich, Fürst Moritz von Anhalt - Dessau, ein Beitrag zur Geschichte des siebenjährigen Krieges. Berlin 1842.

Vgl. Anm. 3 auf dieser Seite. 7) Derselbe bestand aus 1 wüsten und 3 bebauten Bauerhöfen. 8) U. B. II. 714. 9) Berghaus,

Landbuch 1. Bd. 2. Th. S. 297 ff. nennt statt 1761 das Jahr 1751. 10) Familien-Buch der v. Eickstedt, Ratibor 1860, S. 777.

Durch Decret der Regierung vom 24. September 1781 wurde ausgesprochen, dass denen v. Eickstedt, nachdem sie sämmt-

lich ihre Einwilligung zu dem erblichen Verkaufe von Dargibell gegeben haben, keine Lehnrechte daran weiter zu-stehen.