Druckschrift 
2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

9. Otto Martin.

1701 1777.

(2. Sohn von No. 5, Vater von No. 10 bis 20.)

in der Preussischen Armee als der Hohenfriedberger oder der Reitgerten-Schwerin bekannt, 1 ) ward 21. Juni1701 zu Halberstadt geboren, 2 ) trat 1714, also erst 13 Jahre alt und noch dazu als Cornet mit einemPatent 3 ) vom 2. April 1712, bei dem sogenannten gelben Reiter-Regiment (Regiment Kronprinz zu Pferde,Kürassiere No. 2) 4 ) in die Preussische Armee, ward 25. August 1718 Lieutenant, war 1730 Bitt-meister, 5 ) ward 6. Juli 1733 Major, 26. Februar 1737 Ritter des Johanniter-Ordens und im Januar1741, nachdem er also fast 29 Jahre lang dem gelben Reiter - Regiment angehört hatte, als Oberst-lieutenant zum Kommandeur (zweiten Chef) des Markgraf von Baireuth-Dragoner-Regi-ments No. 5 in Pasewalk ernannt, 6 ) an dessen Spitze er von da ab stets als Führer stand; so gleich10. April 1741 in der Schlacht bei Mollwitz. Er ward 1742 Oberst und gerieth in der Schlacht beiChotusitz (Czaslau, 17. Mai 1742) schwer verwundet in österreichische Gefangenschaft, aus welcher er nachdem Friedenschluss (28. Juli 1742) zu seinem Eegiment zurückkam. Seine Betriebsamkeit und Tüchtigkeit,als Exercirmeister und vorzüglicher Reiter anerkannte König Friedrich 1743 nach der Stettiner Revue, in-dem er den Commandeurs der jenseit der Weichsel gamisonirenden Dragoner-Regimenter befahl, sich sofortnach Pasewalk zu verfügen, um daselbst während drei Wochen ihre Norm nach den beim Regiment Baireutheingeführten Evolutionen und Manövern zu nehmen. 7 ) Bei Beginn des zweiten schlesischen Krieges 1744bestimmte der König das Regiment zur Avantgarde der von ihm selbst geführten Kolonne.

In der Schlacht von Hohenfriedberg am 4. Juni 1745 vollführte das, ausnahmsweise zehnSchwadronen starke, Regiment dessen eine Hälfte Otto Martin persönlich anführte 8 ) den glorreichstenReiterangriff, der je von einem einzelnen Regiment auf eine grosse, unerschütterte Infanteriemasse gemachtworden ist. 9 ) Diese Attacke, in welcher das Regiment 20 feindliche Bataillone über den Haufen ritt,2500 Gefangene machte und 67 Fahnen und 5 Kanonen erbeutete, entschied die Schlacht. 10 ) Nach der-selben paradirte dasselbe mit allen Trophäen, Schwerin .an der Spitze der Leibschwadron, vor dem Könige, 1 ')welcher den Obersten mit den Worten anredete: Schwerin, eine solche That, wie die Eurige an dem heuti-gen Tage, findet man nicht in allen römischen Geschichten.

Otto Martin erhielt den Orden pour le merite und wurde 20. Juli 1745 mit einem Patent vom29. November 1743 zum Generalmajor befördert. Als solcher commandirte er sein Regiment am 15. De-cember 1745 in der Schlacht bei Kesselsdorf.

Nach geschlossenem Frieden kehrte das Regiment nach Pasewalk zurück. Aber das Stillsitzen da-heim in der Friedensgarnison fiel den wackeren Reitern bei weitem schwerer als der wundergleiche Sieges-

1) Graf Ernst zur Lippe, Militaria aus König Friedrichs des Grossen Zeit, Berlin 1866, S. 107 ff.: Der Reitgerten-Schwerin.2) Obgleich als Otto Martins Geburtsjahr in allen vorhandenen Nachrichten übereinstimmend das Jahr 1705 genannt wird, wiedenn auch z. B. in der auf ihn gehaltenen Grabrede, im Milit. Pantheon u. s. w., so muss hier doch ein Irrthum vorliegen; dennin nicht geringerer Uebereinstimmung wird bei seinem Tode im Jahr 1777 sein Lebensalter auf 76 Jahre angegeben; so in dererwähnten Grabrede (76 Jahr 1 Monat 22 Tage), im Milit. Pantheon (im 77. Jahre seines Alters), im Ducherower Kirchenbuchund vom Grafen zur Lippe. Da nun sein Todesjahr bestimmt feststeht, so würde Otto Martin demnach schon im Jahre 1701geboren sein. Dies ist auch um so wahrscheinlicher, als anderen Falls sein Dienst-Eintritt, selbst für damalige Zeit in welcherder Kriegsdienst sehr früh begonnen wurde unerklärlich sein würde. 3) Vermuthlich erwirkte ihm noch sein Vater (t Juni1712) durch Vermittelung seines Regiments-Chefs, des Fürsten Leopold von Dessau, diese frühe Anstellung im Regiment desKronprinzen (Friedrich Wilhelm I), welchem der Fürst schon damals eng befreundet war. 4) Später Kür.-Rgt. v. Schleinitz.Vgl. Taf. XII. 11. 5) Aus jener Zeit berichtet das Ducherower Kirchenbuch von einer Taufe, welche der Rittmeister 20. Sep-tember 1732 zu Busow seinem Gärtner ausrichtete, welchem er den Lohn schuldig war; da nun der Gärtner solchen gefordert,der Herr Rittmeister aber nicht bei Kasse gewesen, so hätte er es so gestellet, dass er durch die vornehmen Pathen, die er dazugebeten, sein Geld bekommen. 6) Das heutige Kürassier-Regiment Königin (Pominersches) No. 2. 7) Auch in einem Briefe anden General Grafen Rothenburg vom 13. Juli 1743 spendet der König den Baireuth-Dragonern ganz besonderes Lob und pro-gnosticirt dieser Truppe Wunder der Tapferkeit. 8) An der Spitze der anderen Kolonne des Regiments befanden sich der GeneralGraf Gessler und Major von Chazot. 9) Graf zur Lippe, Militaria a. a. 0. v. Damitz, Schlacht bei Hohenfriedberg, undvon Forstner, Recension dieses Buches. Ravenstein, Geschichte des 2. Kürassier-Regiments Königin, Minden 1842: die Theil-nahme des Dragoner - Regiments Baireuth an der Schlacht von Hohenfriedberg. Königlicher Gnadenbrief für das Dragoner-Regiment Baireuth. 10) Friedrich der Grosse sagt darüber: Eine so einzige, so glorreiche That verdient mit goldenen Buchstaben inden Jahrbüchern der Preussischen Geschichte verzeichnet zu werden. Und noch im Jahr 1741 hatte der König die Preussische Reitereidas unbehülflichste und zugleich muthloseste Corps genannt, welches es in allen europäischen Armeen gebe. 11) Das, im Besitz desKürassier-Regiments Königin zu Pasewalk, befindliche Bild vom Prof. W. Camphausen: der Vorbeimarsch der Baireuth-Dragonernach der Schlacht bei Hohenfriedberg , zeigt fälschlicher Weise schon damals den Obersten von Schwerin mit der Reitgerte inder Hand.

273

69