25. Gräfin Elisabeth Luise Ulrike Charlotte.
1804.
(Aelteste Tochter von No. 11.)
geboren zu Boldekow 25. Januar 1804, vermalt zu Putzar 24. April 1829 mit Dr. theol. Ludwig Jonas,Prediger an St. Nicolai zu Berlin, Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, Mitglieddes Preussischen Hauses der Abgeordneten u. s. w., (geb. 11. Februar 1797, gest. 19. September 1859),als dessen "Wittwe sie in Berlin lebt.
26. Graf Maximilian Heinrich Carl Anton Curt.
1804-1872.
(Aeltester Sohn von No. 11, Vater von No. 48 bis 51.)
als Preussischer Staatsmann 1 ) unter dem Namen Graf Schwerin-Putzar bekannt, 2 ' geboren zu Boldekow30. December 1804, besuchte das Gymnasium zu Friedland in Meklenburg bis 1824, studirte die Rechtezu Heidelberg und Berlin, arbeitete als Referendar bei dem Oberlandesgericht und der Regierung zu Stettinund wurde 1833 von den Ständen zum Landrath des Anclamer Kreises erwählt. Seit 1840 war er Mit-glied des Pommerschen Provinzial - Landtages, seit 1842 Director des Vorpommerschen Landschafts-Departements; 1846 ward er vom Könige, in Folge seiner eifrigen Betheiligung am Gustav-Adolf-Verein,als Mitglied zu der evangelischen General-Synode zu Berlin berufen. Am 14. April 1847 trat er als Ver-treter der Ritterschaft des Anclamer Kreises in den Vereinigten Landtag, auf welchem er seine später stetsbehauptete Stellung als eines der hervorragendsten Mitglieder der liberalen Partei begründete. 3 ) Vom19. März bis 13. Juni 1848 war er Staats- und Cultus-Minister, und vertrat darauf den WahlkreisSchlawe in der Deutschen National-Versammlung zu Frankfurt a./M., aus welcher er jedoch — in Folgedes Beschlusses derselben, das Verfassungswerk selbstständig und nicht im Wege der Vereinbarung zu Endezu führen — am 3. Mai 1849 ausschied. Seit dem Sommer 1849 gehörte er dann ununterbrochen demPreussischen Abgeordneten-Hause an, und zwar stets als Vertreter des Anclam-Demminer Wahlkreises.Von 1849 bis 1855 und dann wieder 1859 war er Präsident dieser Versammlung. Ueber seine poli-tische Stellung zu dem Verfassungswerk und namentlich über sein Verhalten zur ministeriellen Politik wäh-rend jener Zeit spricht er selbst sich eingehend aus in einer 1858 zu Berlin erschienenen Schrift: „Anseine Wähler". Am 3. Juli 1859 erfolgte seine Ernennung zum Geheimen Staatsminister und Ministerdes Innern, und trat er somit als Nachfolger Flottwells in das Ministerium der „neuen Aera" ein, inwelchem er bis zum 17. März 1862 verblieb. Nach seinem Rücktritt vom Amt gehörte er im Abgeordneten-hause und später im Reichstage des Norddeutschen Bundes zuerst der altliberalen und darauf der national-liberalen Fraction an, ohne doch je die ihm persönlich eigentümliche Auffassung 4 ) zu verleugnen; wie erdenn auch — gelegentlich der Wahlen 1869 — ausdrücklich den Wunsch aussprach, seine Wahl nicht demBeitritt zu einem bestimmten Programm, sondern dem persönlichen Vertrauen der Mehrheit seiner Wählerdanken zu können. Wem nicht meine bisherige, nun bereits 20jährige parlamentarische Laufbahn Bürg-schaft für den Sinn und die Richtung meiner Wirksamkeit auch auf dem bevorstehenden Reichstage ge-währt, der wird dieselbe auch in einem formulirten Programm nicht finden können. In liberalen politischenAnschauungen aufgewachsen, bekannte er sich stets zu gemässigten Ansichten; diese aber vertrat er, wo esgalt, mit vollster Entschiedenheit. Der auf das Ideale gerichtete Zug seines Herzens bewahrte ihn auch inder Politik vor vielen Klippen. Ein Mann von treffendem Urtheil und ein klarer Kopf, war er doch weit mehrausgezeichnet durch die Eigenschaften des Gemüths als die des Verstandes, und das war es, was ihn trotz
1) Dr. Alfred Dove sagt in einem, dem Andenken des Grafen gewidmeten Aufsatz: „Recht vor Macht!" in der Wochen-schrift: „Im neuen Reich" 1872, No. 20: Der Name Schwerin glänzt unter den vordersten der adligen Namen der brandenburgisch-preussischen Monarchie: ein namhafter Staatsmann im 17., ein Feldherr im 18. Jahrhundert erscheinen unter seinen Trägern. Das19. Icam mit seinen eigenen Gedanken, da hat das Haus auch seinen Volksmann gestellt. Denn als solcher wird Graf Max Schwerinin unserem Andenken fortleben, nicht eigentlich als Staatsmann; seine beiden Ministerien von 1848 und 1859 erhalten ihre Bedeutung, jaselbst ihre Erklärung nur durch seine p arlamen tarische Stellung. Er gehört zu den Uranpflanzern verfassungsmässiger Freiheitin unserem Staate, die gleichsam mit Axt und Spaten voraufgezogen sind, um rodend lichten Raum zu schaffen für den Anbau einesmodernen menschlichen Rechtes. 2) Eine Biographie des Grafen Schwerin - Putzar befindet sich in: „Unsere Zeit", Jahrbuch zumConversations- Lexikon von Brockhaus. Leipzig 1859. Bd. 3. S. 584 ff. — Kleinere ihn betreffende Aufsätze: „Daheim", Jahrg.1868. S. 395. — „Gartenlaube", Jahrg. 1862. No. 9. S. 137. 3) National - Zeitung vom 4. Mai 1872. 4) An seine Wähler.Berlin 1858. S. 4.
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