53. Vivigenz.
1617—1634.
(3. Sohn von No. 23.)
erscheint gemeinsam mit seinem Bruder Joachim Valentin in den schon bei diesem erwähnten Urkunden 1 *und hatte auch mit diesem gemeinsamen Besitz in Spantekow und Putzar. Er war am 21. März 1617zu Beseritz in Meklenburg geboren, ward am 1. Februar 1626 auf der Universität Greifswald eingeschrieben 2 *und besuchte von 1632 bis 1634 das Gymnasium zu Stettin, 3 * gleichzeitig mit seinem Vetter Ottovon Schwerin (Taf. XVIII. 1), dem nachmaligen Freiherrn und Oberpräsidenten, mit dem ihn innige Freund-schaft verband. Vivigenz befand sich zu Stettin im Hause und in der Hauszucht von Johann Micraelius,dem Pommerschen Geschichtschreiber, welcher mit folgenden Worten über ihn berichtet: 4 * dessen ich mitdesto grösserer Ehren gedenke, weil ich ihn in meinem Hause in Inspektion gehabt und bei ihm ein sonder-bares, stattliches, doch demüthiges, frommes Gemütlie gefunden, daraus ich etwas sonders gehofft hätte. ImJahr 1634 bezog er dann die Universität Greifswald, aber bevor sich noch die auf ihn gesetzten Hoffnungenerfüllen konnten, starb Vivigenz im Alter von 17 Jahren am 18. October 1634, Nachmittags 5 Uhr, inKopenhagen, wohin er sich zur Feier der Königs-Hochzeit 5 * von Greifswald aus begeben hatte.
Sein Vetter und Freund Otto von Schwerin, welcher auch in Greifswald mit ihm zusammen war, ver-fasste folgendes Trauer-Gedicht, gemacht in höchster Trübnis über solches seines geliebten FreundesAbsterben:
0 Liebster Bruder du, was Sclimertzen machst du mir!
0 mein vertrawter Freundt! Ach dass ich nicht mit dirMein Leben soll beschliessen!
Wie wolt ich doch für dichSo gern mein Blut vergiessen,
Vnd sterben williglich!
Als ich deiner so lang beraubet muste seyn,
Wolt mir die weite Stadt fast werden allzu klein,
Nun sol ich dich gantz lassen,
Vnd hier nicht schawen mehr,
Solt ich auch gleich die Strassen,
Ich trawret nicht so sehr.
Nun ich dich aber nicht, dem ich mein Herz vertrawt,
Kan bey mir haben mehr, vnd wo ich auffgebawt,
Mir alles wil verschwinden,
Kan ich kein Frewd noch LustIm gantzen Leben finden,
So mir könt seyn bewust.
An dir ich hett' gehabt, der mich negst Gott erfrewtIn Kummer vnd in Noth, der sich auch nicht gescheictWanns noth wolt seyn, zu wagen
Bey mir beyd Guth vnd Blut,
Solt ich den nicht beklagen
Mit trawriger Zung vnd Muth ?
Ein abgelebter Leib, der nicht mehr auff der WeltLänger zu bleiben hat, wenn der endlich hinfeit,
Vnd zu Grab wird getragen,
Hat man das nicht fürwarSo höchlich zu beklagen,
Weil es nicht seltzam gar.
Aber wenn Junge Leut, so schönen Blumen gleichNur heut geioesen sind, vnd Morgen, blass vnd bleichZum Grab bereitet werden,
1) U, B. II. 591, 593, 597, 600. 2) Album der Universität. 3) Album des Stettiner Gymnasiums, 1. Theil von 1576 —
1666. 4) Micrael. Antiq. Pommer. Lib. V. p. 232. An einer späteren Stelle, Lib. VI. p. 377, heisst es nochmals von Vivigenz:
er war nicht ohne sonderbare von sich gegebene Hoffnung. 5) Im October 1634 vermälte sich der Kronprinz von Dänemark, nach-
maliger König Christian V, mit der Prinzessin Magdalene Sybilla von Sachsen.
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