Druckschrift 
2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

als Vater Oldag's (No. 4) anzunehmen und wird diese Annahme durch den übereinstimmenden Vornamenauch einigermassen unterstützt. Die Reihenfolge der drei Söhne Oldag's nach ihrem Alter ist nicht festzu-stellen.

2. Heinrich.

1295 1328.

(Aeltester Sohn von No. 1, Vater von No. 5 bis 9.)

Wir begegnen ihm in 29 Urkunden 1 ' und von der frühesten (1295) an schon als Bitter; in denmeisten derselben erscheint er als Zeuge und zwar dreimal für Privatpersonen, sonst immer für die Pom-merschen Herzöge. Heinrich gehörte seiner Zeit zu den hervorragendsten Vasallen derselben. Sein Stamm-gut Altwigshagen lag in dem Stettin'schen Herzogthum Pommern und so finden wir Heinrich bis in dieMitte des Jahres 1320 auch ausschliesslich in Beziehungen zu dem dort regierenden Herzoge Otto I, undzwar nicht nur als Vasall, sondern, gemeinschaftlich mit Gerhard von Schwerin aus der Spantekow'er Linie(Taf. VII. 2), 1307 auch als herzoglichen Bath; Otto selbst bezeichnet sie als seine consiliarii und alsde nostra familia. 2 ' Seit dem August 1320 aber bis in das Jahr 1323 bediente sich seiner auch Wartislav IV,Herzog von Pommern-Wolgast, als Bürgen und Zeugen, und schon im November des gedachten Jahres 1320 3 'wird er unter den Bäthen auch dieses Herzogs genannt, mit ihm sein Vetter Gerhard von Schwerin aus derUsedom'schen Linie (Taf. II. 7). Beide gehörten dann auch, wie schon bei Gerhard bemerkt worden, zuden eilf Edelleuten, welche im Jahre 1321 den Bath der Stadt Demmin ermächtigten, von der am Martins-tage fälligen Abgabe an Herzog Wartislav eine Summe von 285'/ 2 Mark Pfennigen für sich zu behalten. 4 '

Zu Herzog Wartislav scheint Heinrich in durchweg ungetrübtem Verhältniss gestanden zu haben, nichtdagegen zu seinem eigentlichen Lehnsherrn, dem Herzog Ottol. Schon einmal im Jahre 1312 sah HerzogOtto sich genöthigt gegen Heinrich von Schwerin, Gerhard von Schwerin (Taf. VII. 2), Hermann von Dewenund ihre Helfer die Hülfe des Markgrafen Waldemar von Brandenburg in Anspruch zu nehmen, die dieserauch am 31. October mit 20 Mann auf geharnischten Bossen zu leisten versprach. 5 ' Es stand diese Wider-setzlichkeit der beiden Schwerine und Anderer gegen ihren Landesfürsten, von der wir keine näheren Nach-richten haben, sicherlich mit der Uneinigkeit in Zusammenhang, die im Allgemeinen damals zwischen demHerzoge einerseits und der Bitterschaft und den Städten andrerseits bestand und die erst dadurch im Jahre1313 ihr Ende fand, dass der Herzog sowohl den Bittern als Städten alle ihre bisherigen Privilegien be-stätigte. 6 '

Eine zweite Differenz zwischen dem Herzoge Otto und Heinrich von Schwerin nebst seinen Söhnen,Henning von Schwerin zu Spantekow (Taf. VII. 4) und einigen anderen seiner Vasallen war um das Jahr1326 dadurch entstanden, dass diese es gewagt hatten, den die herzoglichen Lande durchziehenden Kauf-leuten und Fuhrleuten beim Ein- und Ausgang eigenmächtig einen Zoll abzufordern.

Durch ein ausdrückliches Verbot vom 23. Juni 1326, 7 ' das die Uebelthäter namentlich bezeichnet, ver-suchte der Herzog, diesem Treiben ein Ende zu machen.

Am schwersten aber verging sich Heinrich gegen seinen Landesherrn in dem Kriege, der bald nachdem Tode des Herzogs Wartislav IV 8 ' zwischen Meklenburg und Pommern ausbrach. Schwartz 9 ' erzählt,dass die Pommer'schen Vasallen diesseits der See (im Gegensatz zur Kügen'schen Bitterschaft) in der ge-dachten Zeit mit den Meklenburgischen Herren ein Einverständniss unterhalten und diese dadurch zu einemfeindlichen Einfall in das Fürstenthum veranlasst hätten, und dass die Pommerschen Vasallen diesseits derSwine, während nach der Eroberung der Städte Barth, Grimmen und Loiz Seitens der Meklenburger dieStädte Stralsund, Greifswald, Anclam und Demmin sich zur Verteidigung des Landes auf das Engste ver-banden, die Sache schon so schlimm ansahen, dass sie sich nicht einmal zum Beitritt zu jenem Bündnissbewegen lassen wollten. Mag hiernach auch der grösste Theil der gedachten Vasallen sich neutral verhaltenhaben, einige von ihnen gingen weiter und ergriffen sogar Parthei für Meklenburg. Es scheinen dahin alledie zu gehören, welche die Herren von Meklenburg und von Werle in dem Vergleiche mit dem HerzogeBarnim HI von Pommern-Stettin zu Brodersdorf den 27. Juni 1328, 10 ' durch welchen jenem Krieg einZiel gesetzt ward, in ihre Sühne nahmen und dadurch vor nachträglicher Bestrafung ihrer Untreue sicherstellten.

1) U. B. II. 36. 44. 45. 46. 50. 53. 54. 55. 57. 60. 66. 67. 68. 69-74. 77. 78. 81. 82. 8488. 2) U. B. II. 55. 3) U. B. II. 72.

4) U. B. II. 74. 5) U. B. II. 60. 6) Vgl. Schwartz, Lehn-Historie S. 284. 7) U. B. II. 88. 8) Gestorben am 1. August 1326.

9) Lehn-Historie S. 327 u. f. 10) U. B. II. 92.

71