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2 (1878) Biographische Nachrichten über das Geschlecht von Schwerin
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Bei dem gleich darauf doch nöthig werdenden Abzüge gelang es in dem Gefecht bei Friedeberg am14. Juli hauptsächlich der Standhaftigkeit der Milizen und Invaliden, unter Anführung des Majors von Schwerin,einen geordneten Kückzug zu ermöglichen. Yermuthlich in Folge der bei dieser Gelegenheit bewiesenenwieder erlangten Felddienstfähigkeit erhielt Carl Magnus von Schwerin bald darauf im Jahr 1759ein Grenadier-Bataillon, welches aus Kompagnien der Regimenter Markgraf Carl und von Kalcksteinformirt war (bis dahin Grenadier-Bataillon Carl Gottfried von Billerbeck).

Mit einigen anderen Truppen marschirte dieses Bataillon zu Anfang des Jahres 1760, als die Russen unterdem General Tottleben aus ihren Winterquartieren in Hinterpommern einrückten, aus der Lausitz nach Star-gard unter den Oberbefehl des Generals von Forcade, welchem die Sicherung von Colberg als hauptsäch-lichste Aufgabe gestellt worden war.

Das Grenadier-Bataillon Schwerin nahm an den heftigen Gefechten um die Persante-Uebergänge beiBelgard und Köslin Theil, und wurde dann zur schleunigsten Besatzung des Oder-Ueberganges nach Glogaugezogen. Aber die Gefahr, welche durch die Landung eines starken Russischen Belagerungs-Corps für Colbergerwachsen war, veranlasste den berühmten und glänzenden Zug des Generals Johann Paul von Werner, welchermit einer Handvoll Truppen s > von Glogau aus am 7. September dem hartbedrängten Colberg zu Hülfe eilteund dasselbe nach geheim gehaltenen Gewaltmärschen am 18. September entsetzte. Dem Grenadier-BataillonSchwerin war es vergönnt, an diesem Zuge, welcher durch seinen rapiden Verlauf und den an das Fabel-hafte streifenden Erfolg einer der anziehendsten Vorgänge des Siebenjährigen Krieges ist, Theil zu nehmen,und unter den Zeichen der Anerkennung, welche der grosse König dieser Waffenthat in hohem Grade zollte,befindet sich auch die Verleihung des Ordens pour le merite an Carl Magnus von Schwerin.

Das Grenadier-Bataillon nahm auch im weiteren Verlauf des Jahres 1760 noch Theil an den rast-losen, kühnen, höchst beschwerlichen und zumeist glücklichen Unternehmungen des kleinen Werner'schenCorps, welches sich in schnellem Wechsel bald gegen die Schweden bis nach Vorpommern und Meklenburghin, bald gegen die Russen bis nach Köslin wendete. Auch im Jahr 1761 wurde das Bataillon, dessenKommandeur am 20. Januar d. J. zum Oberstlieutenant befördert war, wieder zum Schutze von Col-berg verwendet. Es ward dem Corps des Prinzen Eugen von Würtemberg zugetheilt, welches in dem starkbefestigten Lager vor Colberg 3 ) zusammengezogen wurde. Den grossen Drangsalen, welche die Truppen hierunter vielfachen blutigen Kämpfen erlitten, entzog am 15. November der Prinz sein Corps durch den kühnenRückzug nach Treptow, welchen Tempelhoff in die Reihe der glänzendsten Unternehmungen dieser Art stellt.Bei einem erneuten Vorrücken, am 11. December, führte der Oberstlieutenant von Schwerin eine Brigade,welche aus den 5 Grenadier-Bataillonen Bock, Busch, Schwerin, Falkenhayn und Görne bestand, und welchein dem hartnäckigen Gefecht um die verschanzten Anhöhen bei dem Dorfe Spie am 12. December mitgrossen Verlusten die grüne Schanze erstürmte.

Dieser schönen Waffenthat blieb leider der Erfolg versagt. Colberg war gezwungen, am 16 Decemberdie angebotene Kapitulation anzunehmen. Gleich darauf, noch im December 1761, ward Carl Magnusvon Schwerin Kommandeur des Grabow'schen Füsilier-Regiments (No. 47), dessen Chef im Jahre1764 der Prinz von Nassau-Usingen wurde.

Auch dieses Regiment gehörte zum Corps des Prinzen von Würtemberg, welchem nach den kaumüberstandenen Mühsalen neue schwierige Aufgaben zufielen. Dasselbe eilte in Gewaltmärschen nach Malchin,dem Obersten Belling zu Hülfe gegen die Schweden. Mit 2 Bataillonen seines Regiments, zu denen noch2 Grenadier-Bataillone traten, gelang es dem Oberstlieutenant von Schwerin durch einen sehr dreisten Marschden schwedischen Rückzug aus Malchin am 31. December 1761 zu verlegen.

Carl Magnus von Schwerin war darauf in Rostock eifrig beschäftigt, sein Regiment wieder herzu-stellen. Dasselbe hatte zumeist Landeskinder in seinen Reihen, aber dieselben waren grössten Theils sehrjunge Leute und wurden auch als sogenannteWasserpolacken" für nicht sehr zuverlässig gehalten. 1759hatte das Regiment bei Kunersdorff und dann bei Maxen so grosse Verluste gehabt, dass es 1760 auf einBataillon gesetzt worden war; und 1761, als es eben angefangen, sich zu retabliren, hatte es das Lagervor Colberg bezogen und in den blutigen Kämpfen um die Verschanzungen hart gelitten. Bei Neu-Kahldenam 2. Januar 1762 endlich war das Regiment von zwei Seiten angegriffen fast vernichtet.

Ein Bericht aus jener Zeit, der am 1. Mai 1762 von Billerbeck an den Prinzen Heinrich erstattetwurde, 4 ' welcher Auskunft über den Zustand des Grabow'schen Regiments verlangt hatte, besagt: Der Oberst-

1) Eduard Lange. Die Preuss. Grenadiere. 2) Ausser dem Grenad.-Bat. Schwerin die beiden Freibataillone Wunsch undCourbiere und 7 Schwadronen Werner-Husaren. 3) Die Geschichte des 1. Dragoner - Regiments berichtet, dass Schwerin am1. Juni mit dem Grenadier-Bataillon Schwerin und den Musketier-Bataillonen Kanitz und Lehwald in das verschanzte Lagerbei Köslin eingerückt sei, welches er auch vertheidigt habe. Das ist jedenfalls ein Irrthum. 4) Geh. Staats-Archiv zuBerlin. Prinz Heinrich's Nachlass. VI. e.

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