Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
563
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Vierdten Buchs Äudcrcr Theil/Obst-Garttn.

56z

ihn im Herbst untergraben/wei! er vielmehr kühl als hi-tzig ist/ und dannoch in diesem Fall wol dienet.' Was das Begiessen anlangt/ ist auch grosse Obsichtzuhaben/ daß em junger Baum mit unnöthigen undüberflüssigen Gießen nicht verwöhnet werde/weil es un-befchmoliche Mühe kosten würde/einen grossen Baum-Garten also zu versehen/daß dieBäume bessern und ge-deylichern Saffr von unten/als von obenher geniessen;allem bey jungen/erst neulich umgesetzten B«umlein/woder Grund und das Gewächs noch nicht zusammen ze-wohntsind/ muß diese ^»iancc zu befördern/unzweif-fentlich die massige Befprützung das beste thun/sonder-lich wann/ bey yeissen Somer-Tagen / der Regen langausbleibt/solches gefchicht ausunterschiedliche Weise:Erstlich daß man die Erden um den Stammen her be-sprenget/ oder 2. mir Canaien/ dardurch man Bach-Wasser / oder Quellbronnen-Wasser darüber fliesteniasset/so aber an keinem Ort stehen bleibe/sondern gleichsimiberpassirenmuß/ das gibt am besten aus/wannsaufden Abend/die Nacht durch/gestehen kan. z. Setztman zu den Peltzern Gefchm mit Wasser/ und thut einwollen Band genetzt hinein/ so daß das äusserste Ende

etwas weiter herab hänge/ daraus sich die FeuchtigkeitTrspffen-weife zurWurtzen begibt; das andere Feuch-ten ist besser Morgens und Abends gebraucht/m etli-chen Tagen einmal / geschichts zu Mittag/ so zeucht dieSonne die Feuchtigkeit aus der Erden/ und verhurtetden Boden. Man kan auch nützlich zum Begiesten Re-gen-oder Wasser aus Bächen und Flüssen/ mit Dungvermenget/brauchen; oder Blut von geschlachtenThie-ren/ das hilfft den Bäumen wol übersich.

Etliche legen auch Kiselstein unter die Erden umdie Wurtzen/ die die Bäume lüfften und ersrischen ;oder auch Reisholtz und ander Holtz um die Wurtzengelegt/ und mit Erdreich beschüttet/ davon sie Lufftbekommt/ und die feuchte Lufft desgleichen den Re-gen vollkommener an sich ziehen kan. Die Wasser müs-sen nicht aus Schöpft'- bronnnen/ kalt salitriscy/ eysen-schüssig »der gesaltzener Art seyn; Aepffel / Birnen ,Kütten/ Feigen/ bedörsse« das Begiessen besser; Ne-spel/ Maulbeer/Mandeln und dergleichen weniger.Vom Dungen und Giessen aber/ soll im folgendenfünfften Buch/ im Kuchen-Garten/ wMuMer! gehandelt werden»

xxvi.

Bäume an ihren Zufällen zu heilen.

S ist sich nicht zu verwundern/daß die wildenBäume / so hin und wieder in den grossenWäldern und Gebürgen von sich selbst freyund ungehindert wachsen / viel eines langem Lebenssind/als die jenigen / so durch menschlichen Fleiß undSorgfältigkeit gepflantzet werden/weil dieselben nach' rieb / den ihnen GOtt und die Natur verliehen/ungeirret fortwachsen/nie mehr Aeste auf sich laden/ alssie befassten können/ oder da sie auch zu viel haben/wieman an den Tannen'Fischten und Föhren siehet/ durchZurückziehung der Nahrung/ also verdorren und abfal-len machen/ daß es demBaum an feinem Stamm un-schädlich ist; da hingegen die Garten-Bäum offtermalsausgenommen/ anderwärts versehet/ unvorsichtig ge-stümmlet und geschneittet werden/daß sie von den man-nigfaltigen Verwundungen/ sonderlich wann sie zurUn-Zeitgeschehen / geschwachet/ und zu balderm Untergangbefördert werden/absonderlich wann Unverstand. Für-witz/Grobheit undNachlassigkeit in einem und dem an-dern zu viel oder zu wenig thun/ihnen an statt des langenLebens/ das sie ihnen gedencken zu erwerben/ gest win-den Tod verursachen; wie dann warhafftig alle Thier /so des Menschen Dienstbarkeit und Henslbasst leidenmüssen/ aus eben diesen und andern mehr Ursachen/nieso lang leben/ und hauffigern Zuständen undKranck«Heiken unterworffen sind/ als die wilden Thier.

Nun will zwar die menschlicheVorsichtigkeit/diesemÜbel zu begegnen / und auck den Bäumen/ die sie pflegtaufzuziehen / mit gebührlichen Mitteln zuwarten/ ent-weder ihren böfen Zufällen vorzubauen/ oder dafern sie> sich ereignen/ihnen zeitlich wieder abzuhelssen und zu -c-' mehren/sich bemühen.

So sind nun die Bäume auch unterschiedlichenKranckheiten unterworffen/ die ein vernünfftiger Gar-ten-Liebhaber alsobald erkennen/und in einem und demandern Hülff-Mittel sürkehren solle

als auch an dem Stam und Aesten/ allerley Gebrechenunterworffen; die Wurtzen wird angefochten / wannder Grund zu dür: und unkrässtig oder aber zu gail undfett ist/ dardurch sie wassersüchtig werden/ oder an denBlättern vor der Zeit gelbe und abstehende Farben her-weifen/ so etliche dieGelbsuchtnennen; daist nun einemagere Erden/ mit Beyfügung einer fetten / und eingailer Grund/ mit einer ringen Erden zu temperiren.

Item wann dieTpitz-Wurtzen am Baum/die in der!Mitte abwärts m dem Grunde gerad hinab gehet/zu'sehr sich einfencket / und voller unnöthigen Feuchtigkeitist/foll man Zefchicklich die Erden also entblosen/daß dieNeben-Wurtzen nicht beleidigt werden/ und dieselbeSpitz-Wurtzen abhauen; oder man bohret mit einemHolbohrer/ eine zwerche Hand ober der Erden/einLochaufwärts in den Baum / bis an den Kern/lässets zweyoder drey Tag offen stehen / damit das bittere Wqsserausfliesten möge / und verschlägt das Loch hernach miteinem Hagendornen'Pflock/ der noch grün ist; und dißmerckt man den Baum/ wann er nicht schön Obstträgt/ oder gar unfruchtbar ist.

Item wann sich Gewürme und Ungeziefer zu denWurtzen einquartiren/ die sind nun mit Urin/ gepul-verten Schwefel/ Laug-Afchen und dergleichen/zu ver-jagen; oder ist die Wurtzen zu feucht oder zu trocken /diefenkan man mit Ab -und Zuleitung der Feuchtigkeitbegegnen.

Wann man Tauben-Mist mit Blut von Thieren zueinem weichenTaig tcm^eriret/ die vornehmstenWnr-tzen desBaums entblösset/und etlicheTage alsoossenander Lusst stehen lasset/ hernach diesen Taig darzu thut /doch daß er die Wurtzen nicht berühre/ und mit guter!Erden wieder bedeckt/ fo wird ein alter fchier abgestor-bener Baum wieder frisch werden / muß aber im Mer-tzen geschehen; oder wann man seine Wurtzen spaltet/muß man Tauben -Mist/ Weinläger und alten Urin

Als Erstlich/ sind die Bäume/fo wol an derWurtzen/ mit ein wenigSchwefel/auf obbefagteWcife/beylegen.

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