Vierdten Buchö Anderer Theil/ Obst^Garten.
Wasser/ darinnen Salpeter zergangen/ besprengen/wie Herr Böckler lehret.
Wie mml sonst eiiim alten Baum umsetzen solle/lehretHuch Herr 8errc8, folgender Gestalt: Manmuß breite und ticffeGruben darzu vorbereiten/daß sichdie Wurtzen darimien/ ohn daß sie die hane Erden be-rühren/wol und Lelegensam ausbreiten können / her-nach muß der Baum wolgestümmelt/urwmit gehöri-ger Gedult und Vorsichtigkeit also ausgegraben wer-deu^ daß keine Wurtzcii/ wo möguch/ zerjiossen oder be-
555
schädiget werde/ und also setztman ihn gegen den Theil
der Welt/wie er vorgestanden; zu den Wureenmußman guten Grund bringen/der vorher »vom gedüngtworden/und damit die Sonne die Wurden nicht aus-rrockne/kan man untern AestenLaubwerct/ Ltroh u»idanders darzulegen; manmag sie auch beygrosserHi^ewolbegiessen/fonderlich das ersteZahr/dis geschieht bes-ser im Frühling als im Herbst/ damit die gestümmeltenAeste leichter überwimmern/ soetwan dur.tz strengenWinters-Frost njcht zu erhalten.
Das Ausgraben der alten Baume muß nicht amStamm geschehen; thut mWs im Winter/muß es beyoffner Erden/ und so weit des Baums äusserste Tropf-fengehen/(weil meistens die Ausbreitung der WurtzenmitderObdachung der Aeste sich vergleichen) gesche-hm/da muß man zuvor den Bauin allerseits mit Stan-gen unterstützen / hernach die Wurtzen abledigen undglatt abhauen / wann nun der Frost angangen/ begies--set man Abends die Erden und Wurden mit Wasser/daßeszusammgefriere/folgenden Tags räumt mandie Stützen hinweg/neigt den Baum »eitenwärts / undhauet die Spitzwurtzen ab / dann legt man ihn auf ei-nen Schlitten/ führt ihn zu vorhin bereiteter Gruben/fetzt ihn/ wie er vorgestanden/ füllet den übrigen Raumnutguter Erden und Dünge/ so soll er (wie HerrElß-holtz bezeugt) das Versetzen wenig empfinden/ sondernfolgenden Frühling guten Wachsthum zeigen: Ge,fchichtsaber im Sommer/wann die Blatter vollkom-men ausgescblagcn/(so allein mitscchs und minderjähri-gen Bäumlein geschehen kan) so gräbt man ihn sauber-lich aus/ bis alle, Wurtzen im Grunde abgelöst sind/nimmt leinene grobe nasse Tücher / schlagt sie um dieWnrtzen/und das anhangevde Erdreich glatt um/daßalles beysammen bleibe hebt also den Baum aus / undsetzt ihn in seine neue Grube/ die mit linder Erde gemachmuß ausgefüllet seyn/ ohne Zerdruckung der Wurtzen;wann er wol stehet/soll man das Erdreich herum sachtebegiessen/und macht einen Schirm darüber/ nc nimiuscslorprimo coalelccnäi exorcko, die Feuchten anszie- >
he/die Wurtzen dorre/ und den Baum verderbe/fahrtn.u dem Giessen so lang fort/ ( nach Herrn ElßholtzenLeyre) bis die Hangende Blätter sich wieder erheben/und em Zeichen geben / daß der Baum diese gefährlicheVersetzung überwunden habe.
Das vornehmste ist/ daß fleissig von dem Herrnselbst nachgesehen werde/ und sind seine des Herrn cicücrr^Wort / die er nachdenklich beyfüget/ wann eralso schreibtvvn sich selbst: ?0UZ arbrcs.czue j'a/L<jit jzlanlcr cn ma prelcnce, lont vcnuexce^-tc», su conlraire tvlis ceax som mortz , vuI^nZuillent, ciont commis le planier ii mcg Zcr-vilcur»; das ist auf Teutsch: Alle die Baume / die ichin meiner Gegenwart habe peltzen lassen / sind (ihrwenig ausgenommen) alle wol bekleibei; imGegen-ryei. sind alte diejenigen verdorben / oder doch übel ge-diegen / die ich durch mein Gesinde pflantzen lassen.Drum sagt kcnatu« ka^inus !ib. 4. t-jorlorum nichtunrecht a»so:
Urilts cit ttortc) Oomini manus.utilis 'pllsH.rbolibu5,Huicum muro non bsere^t arbos,^ut r^loluta iuo laxct se perZula vcrlu,
recomponit rsmv8 5c vincla rcnocist;Lvmsitus ulczrczio s>. profcrat orclinc tcxtus,kronclibu» iplc etiam c»uca»,ksuci,osq; vvraccsvccutit. — —. — da er von denen Spalie-ren redet.
Noch eines ist zu mercken/daß auch die geschlachtet!Baumlein von dem edlen Kern-Obst/ durch wiederhol-te Verfetzung/so gute und edle Früchte bringen/ als dasObst gewesen / daraus die Kerne genommen worden/undjeösstersolches /obscrvztv clcbito moclo. gestehenkan/je köstlicher und edler wird die Frucht/ die auch indiesem die gepeltzten übertreffen/weil diese Baume de-nen andern gepfropssetenweitander Wahrhajftigkeitüberlegen sind. Daß sonst etliche aufalle Wercltagein der Wochen/Vor-und Nachmittag/ gewisse Verse-tzung Stunden wollen/und vorschreiben/ist mehrAber-glauben/ als einige Wahrahnlichkeit; wann nur schönWetter/bequeme Erden/und der Pflantzen Beschaffen-heit recht überein stimmen/ so darffihm niemand keinenScrupel machen / ausser daß Mvrgen und Abend na,
türlicherWeise/weil sie in Hitz und Kalte/Trocken undFeuchten/ temperirt und mittelmässig sind / zu diesemVornehmen am bequemlichsten zu halten sind; dieStamme/je eher sie mit ihren Wurtzen in die Erdenkommen/ je mehr gedeyen sie/indem die Lufft/ und son-derlich der Wind/den Lebens-Safft aus den Wurtze«aussauget.
xxm.
Vom Lust-Gänqen und Spalieren der fruchtbaren Bäume.
O grosse weite Gründe und schöne Gelegen'heit/ neben gutem Grunde an den Spazier-Wegen/ auch ausserhalb der Garten sind/dakönnen von Nuß- und Kästen Bäumen gan-he lange gedoppelte Reyen / Lust-Ganae .gesetzt wer-den ; der Grund aber muß nicht zu frech seyn. Ausandern fruchtbaren Bäumen und Sträuchern aber/kan man 5-palier/und gleichsam grün^ Mauren zu-richten./ von allerhand Gestalt und Formen / gerade
und gebogen / daran man im Frühling die Blühe /im Sommer und Herbst aber die Früchte siehet/ die/nach Herrn 6- Scrrcs Meynung/fast besser/ als diean den andern Bäumen sind. Nun diese müssen al-so gerichtet seyn / daß sie die Mittags-Sonne frey ha-ben/man kan auch darmit / an statt der Zaune / die!Kuchen-Baum-und Blumen.Gärten unterscheiden/oder den grossen Haupt- und Creutzgang damit aus-setzen.
Aaaa.iij Wann