Druckschrift 
Th. 1 (1716)
Entstehung
Seite
553
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VicrdtenBuch6LlndcrerTHet!/Obst-Garten.

M und ihre Wurtzen in den obristen / als bestenErdreich herlaussen/ solche gar wol fortkommen/ auchgrößere mW bessere Früchte bringen. Well nun dasErdreich / so man m Machung der Löcher ausgräbt /nicht alles gleich gut ist / und man nur die beste neh-men soll/die Löcher wieder auszufüllen / also ist es gut/daßman wisse/ daß nicht aliein an dem Ort/ wo Tuff-stein und KWng gar nahe sind/ sondern auch im be-sten Erdreich/ das oberste allzeit das beste ist/ das un-terste aber hingegen/weilen es dieWärme derSonnenniemal empfindet/ noch dicsüsse Feuchtigkeit / so derRegen mit sich bringt/ empfanget/ gleichsam todt undUnfruchtbar ist/ darum soll man die unterste Erden nie-mals zu öberst in die Gruben legen/ weil sie da nichtsnutzen würde.

Wer gutes wolgeschmackes Obst / sonderlich vonedlen Birnen haben will/der mache die Gruben (wo-hin er sie setzen will) sechsSchuhe breit / und sechsSchuhe tief/ zu Unterst dieser Gruben lege er MörtelundGemörsel von abgebrochenen Mauren / oder klei-nen Mauer-Steinlein/ so die Mauer vondenSand-und Bruch-Steinen schlagen / einen Schuh hoch/ a-ber keine Kißlingstein/ weil sie zu kalt und derWur-tzen schädlich/ darnach leg er einen Schuh gute Erden /auf dieselbe wieder ein Schuh hoch Mauer-Mörcel /und dannwieder einen Schuh hochgute Erden/ undfo fortan/ bis die Gruben ausgefüllt ist/ und sollen dieBäume nicht tiesser als einen Schuh in die Gruben/und lhre Wurtzen nicht aufden Mörtel oder Mauer-koth/ sondern auf die Erde gesetzt / auch wann dieWurtzen ein wenig mit Erden bedeckt sind / aussenherum ein guter Theil Mist darzugelegt werden. DieMörtel (sagt 8icur Ic Qcncire) sind um dreyer Ursaehen willen gut/ erstlich / weil sie nicht so gedrang undfest auf einander kommen / daß es nicht einige Holej vder Raum dazwischen gebe/ daß darinnen eine Lufftentstehet/ die eine Feuchtigkeit mit sich bringet/ so dasErdreich feist machet. 2. Weil dieser Mörtel oderSteinlein verursachen/ daß die Wurtzen im Winter/wegen ihrer mittheilenden Warme/ wenig Feuchtig-keit empfangen, z. Weil die Wurtzen im Sommereine gute Kühlung von denselben erlangen/ dann wiedie Hitze des Sommers die Kälte / also die Kälte desWinters die Wärme in die Holen der Erden jagt undeintreibet; weil aber der Apsselbaum nicht so tieffenGrund b edarff/soll man ihreGruben nur zween Schuhliess/und sechs Schuh wettmachen/ wie ein Frantzö-slscher ^utkor kisllct, reserents Lcrolclo Edelbach Mseiner verteutschten Baumgartnerey des öuLcncire ,^ haben will.

! In guten Feldern soll die gemeine Weitschasst/ zwi-! schen den Birn-und Apsselbaum/ seyn von acht bis inzehen Klassiern; wann das Feld dazwischen demVieh zumWieswachs oder Grasung soll gelassen wer-den/ ists genug/ so man sie vier bis in fünss Klasstervon einander setzet; an denen Orten aber/ wo starckeI Winde wehen/ soll man sie nicht mehr als drey bis indie vierdte Klasster von einander entfernen / damit sienahe beystimmen stehend/ einander gleichsam unterstü-tzen/ und die Winde aufhalten; im Sand und steinich-ten Erdreich ist es gut/wann man gleiche Weiten/ vondrey bis in vier Klasster/beobachtet/wie ><- (^cncjrewill.

I . I Theil.

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Die Bäume die man versetzen will/ denen muß maudie Wurtzen säubern/sie stutzen/ und von den tieiueoFlachs-Wurtzen reinigen ; die in freyer Lufft stehen /und einen hohen Stamm kriegen sollen / muß man et-wan sieben Schuh hoch abstummlen / und alle kleineAestlein und Trag - Knospen hinwegnehmen/ weil dieAeuglein / so aus des Baums Rinden und StammHerfür schiessen/ viel lustiger wachsen.

Die Pflantzung ist darum im Herbst am besten/ weilder Safft abwärts zur Wurtzen steigt/ und insgemeinist der Sassr des Baums nicht in dem Kern / sondernin der Rinden/daher man offtsihet Bäume/ die inwen-dig gantz hol und ausgefault sind/ wann sie nur am mei-sten Umfang der Rinden frisch sind / nichts desto we-niger Frucht bringen.

Als muß nun die Maas und Weitschasst gemachtwerden/ nachdem das Erdreich fett/fruchtbar und gutist/ und nachdem die Baum in selbiger Gegend großwachsen. Die Gruben zu den Bäumen dörffen nichtgar zu tiess/ sondern sollen desto breiter seyn/weil dieWurtzen nicht zu tiesskriechen/ sondern sich lieber in derFlachen/ wo der Grund neulich umgegraben/ als in derTiefen austheilen; müssen also in leimichten hartenGrund wenigstens sechs Schuh breit/ und im sandich-ten leichten Boden vier Schuh breit gemacht werden;fürNüß-und Kästen-Baum müssen sie noch breiterseyn und zwey Schuh tief/da man hernach einen halbenSchuh liess gute Erden darzu bringt; Jm Sand kanman einen halbenSchuh tieffer graben/also auch wannder Ort abhängig und trocken ist; das obere Theil derErden / als das beste / kan man absonderlich legen / siehernach nächst bey derWurtzen einzutheilen; die Gru-ben müssen lang vorhero/und (wie viel wollen) ein gcm-tzes Jayr oder wenigst vier Monat gegraben seyn ;muß mans aber bald wachen/ soll man zuvor Ge-strauchwerck/ Stroh unD Holtz darinnen brennen/ undmit einer guten abgelegenen Erden wieder ausfüllen.Die Gruben sollen wie ein Ofen gemacht seyn / untenweiter als oben / weil sie die Wurtzen also besser aus-breiten/ und beedes die Kälte im Winter/ und die Hitzim Sommer / die Wurtzen destoweniger beschädigenkönne; an warmen und trocknen Orten pflegt man sieim Herbst / damit die Winter-Feuchten zuHülffkom-me / an kalt und feuchten Orten im Frühling zu fetzen;an temperirten aber ists allweg sicherer im Herbst/ alsim Auswärts/sonderlich/wann dieBäume schon ziem-lich groß sind / aber die jungen vier-und sünffjährigengerathen am besten. Die Wurtzen an dem Baummüssen gantz/ nicht zerquetschet noch abgebrochen seyn/was verderbt und zäsicht ist/muß man mit einem scharf,fen Messer gleich abschneiden/auch was allzulang undungleich/abstutzen.

Es müssen auch die Stammlein (wider vieler Mey-nung) nicht tiesser in die Erden kommen/ als sie vorhingestanden / dann wo man sie seichterjsetzet/ würde dasTheil an derWurtzen / so vorher unter der Erden ge-gestanden/un derLusst ungewohnet ist/die frvstigeWin-ter-Lusst empfindlich erdulden; setzt man sie aber tief-fer/ so kommt ein Theil des Stammes/ so der Lufft vonJugend auf gewohnt ist/ unter die feucbte Erden / alldadie Rinden von der Winter-Nasse bald aufschwellet/sich vom Holtz abledigt/ und zu des Bäumleins Ver-derben Ursach gibt.

Aaaaij Diß