468 Des Adeitcheu Lc
Weile» man aber annoch nicht sonderbar gewiß ist /der rechten Würckung solcher zumahlen nicht vollkom-men bekandter Wurtzel / a!6 wollen die fürnehmstenAertzte/Heur zu Tage/ lieber die besser bekandte Nieß-Wurtz dafür gebrauchen / wie sie den hierdurch si-cherer Würekung hoffen können.
!O. l^ieracium M3IUS, groß Habichtkraut/ hat ei-ne weit um sich kriechende/dauerhaffte Wurtzel/ dieiß Spannen-lang/und kleinen Fingers dick/ undvoller Milch. Die Blätter sind quer Hand lang/am Umkreiß eingeschnitten und zertheilt / wie dieiGänsdistel/ und mir weichlichten Dörnlein besetzet.«Der Stengelist rund/ gerad / mir Striemen oderl Hohlkehlen / rauh / voller Dörniein / auswendigröchlicht/ inwendig hol / fast auf anderthalb ElenlM / mij vielen Zweiglein besetzr / daraufwachsenbleich-gelbe Blumen / die werden bald zu wollichtenKnopfflein/und fliegen hernach davon. Dasgantze! Kraul ist voll weisser Milch-Saffts.
Diesig KrM hat eine Kraffr zu kühlen / sänfftig-l lich zu Zertheilen/ und zu heylen/ hat demnach viel! nitrolischeö / »Icslisches/ mir balsamischen Oel-Thei-l len vergesellschafftetes/ mildes Saltz in seinem Milch-Safft verborgen.
! Der Saffr aus dem Habichtkraut/ ist gut widerdie Flecken in den Augen/ und die anfahenden Scah-ren/ vertreibet alle Finsterkeit des Gesichts und Ent-zündung der Augen / des Tags einmahl oder vier/jedesmahl -.oder z.Tröpfflein laulicht daran gethan.Etliche hängen es auch nur an den Hals / auf welche^ Weiß es auch alle Nebel'undDünste den Augen unddes Gesichts vertreibensoll. Nimm gelammen Ha-bichrkraut-Saffr / schönen läuternHonig/guten weis-sen Wein/jedes gleich viel/ vermische es durch einan-der / und beHalts in einem Gläßlein auf: Wann ei-ner nun ein blödes und dünckles Gesichr hat / der thuealleMorgen und Abend/jedesmahl 2. oder z.Tröpff-lein in die Augen / es läutert und schärftet das Ge-sicht ebner Massen.
Geläuterten Habichtkraut-Safft mitWeiber-Milchjedes gleich viel'vermischet/ist em gures Mittel für dieEntzündung und hitzige F?üß der Augen / bißweilenein paar Tropffen darein gethan. Wider obgemeld-teAugen-Kranckheiten/ wird auch das destillirre Ha-bichtkraut-Wasser gerühmer / so noch kräffriger seynsolle: Das Angesicht aber damit gewaschen / nimmtalle Flecken hinweg: leinene Tüchlein darein genetzet/und laulicht ubergeschlagen/heylerdie brennendePlat-tern an allen Orten des Leibs.
Wann du frische ungesaltzeneButter mit dem Milch-SafftvonHabichtkraur/ drey oder mehrmalen wbhlwäschest / hernach rothen/auf einem Stein zuvor sehrrein geriebnen ?rsecip>tst darunter rührest/ biß er leib-farb ist / so hast du einen trefflichen Augen-Balsam/von welchem alle Morgen und Abend einer Erbsengroß in den Augen-Winckeln gestrichen/alle Schmer-tzen/Flecken und Entzündung der Augen allgemachgantz sicher sich zertheilen.
I I. szess n^r-. schwache Flocken-Blum / hat ei-ne holtziqte ziemlich Dicke/ zaselichte/ mir widrigemzusammenziehenden Geschmack begabte Wurtzel. Die
l,d-utwFeIi>Leöetio
Blatter sind lang / etwas eingeschnitten / schwartz-grün und Woll-Haarig. Bekommt steiffe rundeStengel/ welche oben im Schößlein zertheilet wer-den/ darauf grosse/ schuppichte Köpfflein erscheinen/daraus Purpurfarbe Blumen m« schmalen Blatt-lein Herfür wachsen/und kleinen Asch-grauen/schwartz-lichtenSaamen nach sich bringen.
Die Flockblume warmer/trocknet und ziebet zu-sammen/ hat etwas grobe/alcsüscke/ elickteSaltz-Theile mit vielen irrdischen vermischt/bey sich; Wirddaher nicht mbillich unter die Wund- Kräuter ge-zehlet / und von vielen erfahrnen Aertzten zu denWund-Träncken gezogen und gebraucht."
12. l^tis, zahmer Weyd/ breitet seine Blätterauf die Erden aus/ wie Wegerich / ausgenommendaß sie scuer / glatt und blau - schwartz sind. DieBlätter sind unten am Stengel breit / obm zuge-spitzt und schmal / begreiffen / ohne Stiel/den Sten-gel/ wie groß Besemkraut/oder Baurensenfft. DerStengel wachst sast zwey Elen-Hoch ; bringt obenkleine / zarte / gelbe Blümlcin / gantz drauschlicht/und viel neben einander / an langen Stielen; Dar-aus werden lange breite Hülsen / anzusehen/wieZünglein / in welchen der gelbe Saamen liegt. DieWurtzel ist w?iß/Fingers-dick/ holtzicht / und hatein wenig Zaselen.
Diesen Weyd brauchen die Tuchmacher und Fär-ber; Man stosser das gantze Kram auf den Müh-len/ baller es darnach zus.numn und iormiret Kü-gelein daraus/ dörrer sie an der Sonnen/und brau-chet sie zum Blau-farben.
Erwächst in grosser Menge in Thüringen/ Ita-lien / Frcmckreich/ Spanien und Holland / allwo erzum sonderbaren Nutzen der Färber fleißig gepflan-tzet wnd.
Der zahme Weyd ist bitter und ziehetzusammen/derohalben er sehr trocknet / doch ist er nicht soscharff/wie der wilde / welcher zwar hefftiger wär-mer/ dvch aber zum Farben wenig gebrauchet wird.Es findet sich in allem viel flüchtig aical.scbes Saltz/wovon die Eigenschafft entstehet/ das Geblüt vonaller scharbockischen Unreinigkeit zu säubern / inner-liche Verstopfungen der Leber / des Miltzes / undFaulfleisches zu eröffnen/ verzehren / Schleim undSand der Nieren zu treiben/ mithin auch die Mo-natliche Reinigung der Weibs-Personen auf das be-ste zu befördern.
i z. Es wird zwar/wie gesagt / der Weyd mehrzum Tuch-färben / als zur Ärtzney gebraucht: Dochgleichwohl kan man daraus den flüchtigen Geist/oderdas flüchtige Saltz auf zweyerley Wege bekommen/emeo Theils ohne Feuer / andern Thals auch durchdas Feuer. Ohne Feuer kan man es haben/wannman über die zubereitere Ballen oder Kugeln desKrauts/da sie in vollem Göst sind/und übe .- sich damps-fen/einen sonderbahr darzu bereiteten erdenen Deckelsetzet/und oben/auf den offnen Hals des Deckels einengläsernen Helm appiiciret / auch dem Schnabel desHelms einweitGlas oderRecipienten fürleget/so wirddermitflüchtigemSaltz angefüllte^pirilus indenReci-pien ten übersteige/welchen man daraufrcÄiKciren kan.
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