Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

nv DesAdelicken

Muni)/ Hinterleib und der Blasen / von sich gegeben/und seye die gestrige Speise gantz und gar verkochet;Weil sonst der Leib mit groben Feuchtigkeiten und vie-lem Unrath wird angefüllet werden. An dem Aus-werfen und dem Urin kan man erkennen / daß dieSpeise verkochet seye; Dann/wann selbige weißlichrsind/ so zeigen sie an/daß man sich der Bewegung ent-halten solle; wann sie aber etw5s gelblich erscheinen/ soist daraus abzunehmen/ daß die Zeit vorhanden sey/ ei-ne und andere Übung vor die Hand zunehmen.

20. Wann der Magen allzu leer/ und heißhunge-rig ist/ so solle man keine Übung vornehmen; dann sonstwird die eingeschlnckte/ und vom Magen noch nichtverkochte Speise / von den sehr hungerigen Glied-massen gar begierig genossen; Woraus alsdann vielegrobe Verstopfungen zu entstehen pflegen.

21. Man solle nicht alsobald nach der ÜbungMahlzeit halten/ sondern noch ein wenig verziehen/biß die Bewegung des Leibes sich gesetzet zu haben/ver-spühret wird.

22. Zur Frühlings-Zeit / solle man eine Mittags-Stunde zur Leibes- Übung erwählen/ wann die Lufft-Beschaffenheit gemäßigter sich ereignerJm Sommeraber solle man eine Frühe-Stunde darzu anwenden /damit die Tages-Hitze /so viel möglich/verhütet wer-de. Im Herbst und Winter ist die Adend-Stund diebequemste: Dann/weil alsdann der Tag ziemlich kurtzist/so kan die zu früh genommene Speise nicht eher/als Abends / verdauet werden ; Worzu die Übungtrefflich behülfflich seyn wird.

i 2?. In der Leibes-Ubung soll man diejenige Zeit-Beschaffenheit vor allen Dingen fliehen und meyden/wann starcke und höchstschadliche Winde wehen/alsda sind die Sud-und Nord-Winde.

24. Ja/ einer jeden Leibes-Ubung sey eingedenckder güldenen Massigkeit; Dann / eine allzu unmäffigeÜbung ist allezeit und allen Leuten schädlich : DennKindern/ weil sie solche cun Wachsen verhindert / unddie Mieder schwächet. Den Erwachsenen/ indeme siebey demselbigen allerhand Unordnungen erzeiget/undungleiche I'-Mperamsnlm verursachet. Den Alten' aber/indeme die Übung ihnen eine sehr grosse Müdig-^ keit und trockncs Wesen zu wegen bringet. Die Zei-! chen aber einer unmässigen Übung sind / wann der gan-tzeLeib sehr warmund trocken erscheinet; Wann dieArbeit gezwungen und nichr freywillig von statten ge-het ; Wann nach dem Schweiß eine bleiche Farbeerfolget; Wann man endlich eine ungewöhnliche undsehr gefährliche Müdigkeit verspühret.

Ferner wird gefraget/was die Ursach sey/ daß dasallzuviele Schlaffen der Gesundheit vor höchstschäd-lich gehalten werde? Und wird darauf geantwortetWeil nach deine durch die rechtmäßige Schlaffens-Zeit/ welche in sieben Stunden bestehet/( dann dieNeclici wollen solche nicht länger hinausziehen/) dievon der Nahrung herkommende gute schlaff- brin-gende Dämpffe verzehret worden / darauf nothwen-dig erfolgen muß/daß/wann der Mensch sich demSchlaffen noch länger ergeben wollte / alsdann einegrosse Menge unreiner und Unrath-reicher Dämpffe

-undFeld^Lebenö

im Hirn sich sammlen / und die Sinnen - Geister ge-schwächet werden. Wann aber solche Werck-Zeugeder Sinnen verletzet sind/so werden auch die Sinnenselbst/ insonderheit das Gedächtnüß/gewaltig geschwä-cbet : Ja/es werden auch endlich unterschiedlicheKranckheiten/sowol im Hirn/als in den Nerven undandern Gliedern des Leibes erzeuget.

Hier wird weiter gefraget / ob derjenige Schlaff/der an den Monds-Srraklen genossen wird/schädlichsey ? Die Antwort ist: Es ist nicht nützlich/ an einemOrt/wobin die Monds-Strablen sich erstrecken/derNacht-Ruhe pflegen / weil dardurch das HauptSchaden nimmt; Dann der Mond befeuchtet dasHirn/ und ziehet die Feuchtigkeit aus dem gantzenLeibe an sich. Zu einem ruhigen und sanff-ten Schlaff aber wird ein guter Dampff erfordert/welcher aus einer wol verkochten Nahrung zu entste-hen pfleget.

Die Antwort auf die Frage / ob es nützlich seymit hinter sich gebogenem Leibe/und aufdem Ruckenliegend/zu schlaffen? Ist diese : Daß solche Weisezu liegen / im Schlaffe dem Leib höchstschadlich seye/weil dardurch das Hirn verstopffet wird / und dasHintertheil des Haupts sich gar übel davon befindet/auch der Alp sich ereignet. Es ist aber der Alp keinGespenst (wie der gemeineMann davor hält/)sondernnur Einbildunge/welche entspringen aus derVerstops-fung des Hinterrheils des Hirns ; Dann / so jemandauf dem Rücken lieget / so geschiehts / daß der Ruck-grad/ und was sich darunter befindet/ das Hertz naherberühret/zimlich presset und drücket / insonderheit/wo unterschiedliche schädliche Dämpffe sich um dasHertz ereignen. Durch diese Zusammenzwingungwird die Bewegung des Hertzens in etwas verbin-dert Durch die verhinderte Bewegung sammlen sichviel Dünste um das Hertz/ welche in das Hirn stei-gen'/ und daselbst verwunderliche und phantastischeEinbildungen erzeugen.

Die Ursache/ warum die Aertzte rathen / daß manim Schlaffsich aufdie rechte Seiten legen solle / istdieft/ weil der Mensch also sänffter und lieblicher ein-schlummert/ und zwar aus folgenden dreyfachen Um-ständen : 1. Weil bey wenigers gezwängten und ge-pressrem Hertzen desselben Bewegung kurtiger undfreyer geschiehet. 2. Weil die rechte Seite / welcheein Urheberin der Bewegung ist/ und durch die denTag-über verrichtete Arbeit ermüdet wird/ alsdann >ruhet, z. Weil/indem der Magen-Mund zur lin- ^cken Seiten sich neiget/selbiger nothwendig muß ge-!presser und beschwehret werden/ daß dannenhero un- ?terschiedliche Dämpffein das Haupt steigen/so jemandauf der lincken Seiten liegt.

Auf die Frage: Warum der Mensch öffters nies-le als andere Thiere / und ob das vieleNiessen gesabr- ^lich sey ? Ist die Antwort: Das Niesen ist nichtsanders/als eine Bewegung des Hirns / welche durchnaturliche KrA die unnützliche Feuchtigkeit austrei-bet ; Solche Bewegung entspringet von der natürli-chen Warme des Hirns/welches die schädliche Ma-terie ausgiejset/ und die austreibendeKrafft darzu heff-

rig