Beö Adelichen Land-undFeld-Lebenö
68
Von einem Viertheil gut und reinem Weihen/ solleram Mehl liessen! ein Viertheil / und 2. Metzen
Kleyen. 1. Viertheil.
Von einem Viertheil Roggen / Mehl i. Viertheil/
Kleyen 1« Viertheil.
Von einem Viertheil Gersten / Mehl 1. Viertheil/
Kleyen ix.Viertheil.
Von einem Viertheil Habern / Mehl z. Viertheil/
Kleyen und Spiltz ^ 2. Viertheil.
Von einem Vierheil Erbsen/Mehl 1. Viertheil/
i^.Vierheil Kleyen i. Viertheil.
Und dieses alles mit aufgebaufftem Maas. "
Etliche Herzschafften fordern zwar ein mehrers/aberes ist fast unmöglich und unerträglich / da hat mannachgehends schwartzes Mehl / und wird auch dasBrod gar zu streng und grob.
Von einem Viertheil Gersten soll derMüller am gro-ben Gritz/Grieß oder Graupen liefern 2. Viertheil.
klaren Grieß z. Viertheil.
Mehl —- 1. Metzen.
Von einem Viertheil Weihen- Grieß z. Viertheil.Von einem Viertheil gestampfft - und
gesäuberten Hirß 2. Viertheil.
Von einem Viertheil Heydel 2. Viertheil.
Wann in der Mühlen der Henschafft das Ih-rige verfertiget und geliefert worden / so soll es her-nach bey allen andern / die in die Mühle zu mahlenkommen/heissen: Wer vor kommt/mahlt vor.
Im übrigen/ so seynd die Müller und Mühl-Knech-te gemeiniglich/ im Zugreiffen / von Natur und ausGewonheit/ lincks und rechts/ und auf das Zwackensehr abgericht / und ist auch kein Wunder / dann/weilen sie bestandig mit Staub und Wasser umge-hen/so bleibt ihnen immer etwas an Händen kleben/und an Säcken bangen / und zwar/je össter sie dieSäcke in einem Winckel ausleeren oder ausstauben;und wissen die Müller noch immerzu neueGrifflein undStücklein zu erfinden. Derowegen die Muhl-Kun-den/ und sonderlich die Becken/dem Müller wol aufdie Hände Achtung geben müssen.
Vornemlich muß man den Beutel wohl in Achtnehmen / wordurch das Mehl rinnet oder läufst /wann derselbe dicht und klar ist/so gibt er desto mehrMehl/ weilen das Mehl gantz zart/fast zu Staub/und also wohl gebeutelt und zerrieben wird/auch gantzlinde/ luck/wie Schnee gleichsam/in den Mehl-Kastenfället/ und das schöne Mehl das Maaß mehr anfül-let. Da weiß dann auch derMüller mit seiner höltzer-nen Mühl- Schauffel gantz sacht das Mehl zu rüh-ren/ und aus dem Kasten in das Maaß zuschütten/daß es bald voll wird.
Wann aber der Mühl-Beutel dünn und grob ist/so,fällt das Mehl desto schwehrer in Kasten/und wirdnicht so viel in dem Maaß/ dieweikn es nicht so luckist.
Wann die Früchte/ ehe man sie mahlt/zuvor an-gefeuchtet werden / so geben sie mehr und weisseresMehl/dieweil von dürr- und trockenen Früchten vielin den Mühlen verstiebet / und sich allenthalben an-hänget/ so nachgehends der Müller und seine Leute
fleißig mit dem Kehr-Wisch zusammen zu kehren undzu gebrauchen wissen.
Nicht weniger wissen auch die Müller die Mahl-Kunden und Leute gar künstlich zu bekriegen/ wannsie den Untern-Mühl-Stein ein wenig lüssten/und ge-gen dein eisernen Hebel aufheben/ da dann immerzuetwas von Früchten aufden Boden fället.
Noch schlimmer machens die/welche solchen Mühl-Stein unten ausholen/und von oben durch ein Lochmachen / dasselbe aber nachgehends verstopften / biß !sie ihre gute Zeit und Gelegenheit ersehen / und so-!dann wieder aufmachen / wordurch von Früchten/Mehl/ Grieß und dergleichen ein guter Theil in dieunten gemachte Höhle fallet / welchen Betrug derMüller ich mir zimlichem Schaden erfahren.
Hier ist der Frucht- und Korn-Schreiber oder Ka-sten-Knecht zu erinnern/ daß er eben mir dem Maaß/es sey jetzo ein Simmer / Viertheil / Metzen oderViertele / wormit er dem Müller die Frucht gelie-fert / sich auch wiederum vormessen lasse.
Wir wissen einen diebischen Müller / der hatte ei-nen Metzen/so eben wie der Hersschafft ihrer gezeich-net war / allein/ er hat selbigen umen am Bodenmit dickem Brey gekleibet und angeschmieret/ hat al-so den Jorn-Schreiber ossr betrogen / mir nicht ge-ringem Abgang des Mehls.
So findet man auch/ sonderlich in grossen Müh,len/ osst bey der Unruh der Mühl-Beutel/innwen-dig in dem Mehl-Kasten doppelte Bretter/ die mußman ausklopssen / weilen mehrmahlen nicht wenigdes allerbesten Mehls darinnen verborgen steckt.
Endlichen/ weil man in keiner Sach zu fleißig seyn/oder zu viel aufsehen kan/ als ist es gewißlich in denMühlen höchstnöthig / allwo allerley Leute und Ge-smdlein sich findet / die nicht allein auf vielerlei) Be-trug / sondern auch .Diebstahl / Mausen und Zwa-cken abgerichtet/auch einander meisterlich helssen/undan solchen einsam- und abgelegenen Orten / sonder-lich/wo man nicht gute Aufseher hat/mit ihres glei-chen Gesellen zu verstecken und zu iverbergen wissen.Wir erinnern uns / daß wir in einem Buch von ei-nem Müller gelesen/ der wegen vieler Dicberey undStehlens hat sollen an Galgen gehencket werden;Daer aber schon mitten auf der Laiter gewesen/ habe ihnsein Her: erinnert/er solle vor seinem Tod ihm einenguten Rath und Anweisung geben/ wo er einen from-men und redlichen Müller bekommen/ und an seineStelle setzen könne; Deme aber der GalgenmaßigeMüller geantwortet: Der sey ein redlicher und from-mer Muller/der eine haarige Zungen habe/ und demsoll er kecklich seine Mühlen vertrauen. Der Her:aber hat leicht Messen können/daß er ehe ein Haarin einem Ey/ als auf einer Menschen-Zungen finde»!werde; Hat ihn wieder loß- und heim gelassen/ undzu seinem Müller behalten/ ob er schon nicht auf derZungen Haar gehabt / hat ers doch auf den Hän-den.
Weilen nun dergleichen sich allenthalben finden/als muß man auch fleißige Aufsicht auf solche Be-trüger haben / und alles Ernstes abstraffen.
Man straffet auch billig mit aller Schärffe diejeni-
gen