Druckschrift 
1 (1911) 1556 - 1607
Entstehung
Seite
VI
Einzelbild herunterladen
 

VI

politische Trennung in seinen Tagen schon bestand, in derGeschichte seines Volkes, die er mustergiltig und wissen-schaftlich geschrieben hat. Denn er wies richtig seinemFriesonvolke, wenn es auch schon getrennt war, noch einegrosse Kulturaufgabe zu, das verbindende Glied zwischendem neuen holländischen Freistaat und dem alten deutschonReiche zu bilden. In Emmius selbst kommt dann dieseKulturaufgabe am besten und am lebendigsten zum Aus-druck; persönlich vermittelt er sogar immer in politischenSachen zwischen Holland und Deutschland.

Die Korrespondenz von Ubbo Emmius führt unsmitten in die politischen Fragen und Streitigkeiten seinerZeit. Die Geschichte des grossen Konfliktes der GrafenEdzard II. und Enno III. von Ostfriesland mit der StadtEmden sowie der Vermittelung und des bewaffneten Ein-schreitens der General-Staaten zugunsten dieser Stadtkann schlechthin ohne die Briefe von und an Emmiusnicht geschrieben werden. Daneben spiegelt sich die poli-tische Geschichte der Republik wieder in seiner Korre-spondenz mit Witten und Anderen; die religiösen undkirchlichen Streitigkeiten kommen in seinen Briefen anLubbertus und Anderen zum Ausdruck. Auch seine wissen-schaftlichen Arbeiten werden durch mehrere Briefe be-leuchtet. Und schliesslich deckt uns diese Korrespondenzviel mehr von dem persönlichen Loben des Emmius auf,als wir bis dahin wusston. Sicherlich genug, um diesePublikation zu rechtfertigen.

Über die bei der Edition befolgten Grundsätze, fürdie der Unterzeichnete die Verantwortung trägt, wird derzweite Band näher berichten. Einstweilen sei nur bemerkt,dass im allgemeinen die Originale haben benutzt werdendürfen; nach ihnen ist der Abdruck durchweg erfolgt;nur die weniger gebräuchlichen Abkürzungen sind auf-gelöst. Die vielen formelhaften Ausdrücke werden ohneweiteres vorständlich sein. Die nur in Kopie vorhandenenBriefe boten grössere Schwierigkeiten; ihnen gegenübergriff eine freiere Behandlung Platz, sodass augenscheinlicheFehler immer verbessert sind. Die griechischen Sätze, z. B.in den Briefen von Emmius an Witten, die nur in einemKopialbuche überliefert sind, waren sohl' schwierig zulesen; sie konnten vielfach nur durch Konjekturen ver-ständlich gemacht werden.