- L37 -
nach überstandener Angst mit reichen Gaben- Möchte derKinderfreund doch freundlicher nahen und in den zartenHerzen nicht die Furchtsamkeit hegen, die in reifern Jahrenden größten Nachtheil äußert.
Das Maieinfahren oder die Arndtwäsche, das eigentlicheErndtefeft nach vollbrachter Einschennung des Getreidesfindet an einigen Orten noch mit Musik und TrinkgelagenStatt. Am deutlichsten haben sich wohl unter allen Volks-festen die Schwingabende in de>i Bergdörfern des Kreiseserhalten. Znr Bereitung des ermürbten Flachses versam-meln sich die Mädchen und Weiber mehrerer Weiler undüben dies Geschäft in zahlreicher Gemeinschaft unter Lie-dern nnd gewissen althergebrachten Ceremonien, bis sie inspäter Nacht von den Männern heimgeleiiet werden. Ho-nigkuchen und Anisbranntwein sind die gewöhnliche Labebei diesem Volksjubel, dem wir die Erhaltung unserer äl-testen Volkslieder verdanken. Leider beginnen diese Heuerschon durch die Modesänge auö HollaS Heiligthum verstoßenzu werden, so wie auch die Schwingabeude der Entanuugwegen abgestellt werden. Ein noch lauge sortgeerbter Restdeutschheidnischer Gerichtsbarkeit der Gemeinden, die nächt-liche Tprjagd oder das Dierjagen, wobei der vor demGesetze straflose Verbrecher gegen Sitte, vorzugsweise aberder tprannisirende Ehemann sehmgerichtsmäßig von ver-kapptem Zuge ergriffen und unter Teufelslarven und furcht-barem Getose mit seltsamem Ritus abgeprügelt wurde, istdurch geschärfte Polizeimaßregeln seit vielen Iahren unter-drückt.
Für Mülheim und die Umgegend ist die BuchheimerKirmes in der Mitte Septbr. ein vielbesuchtes Tanzfest,das seit einigen Jahren in prachtvollen Tausende umfas-senden Zelten in die Nähe von Mülheim gezogen undaußer dem Namen ganz Mülheimisch ist. Eigenthümlichist die Mülheimer Gottestracht am Frohnleichnamstage.Von der bewaffneten Schützeugilde begleitet zieht die Pro-cession in geschmückten Kähnen auf den Rhein. Kirchen-gesaug, Wettfahrten, kriegrisches Gepränge, Gebet und