- 9öS —
Wie sehr der Wohlstand der kath. Gemeinde zu Mül-heim im Anfang des vorg. Jahrh, gesunken war, gehtdaraus hervor, daß die Mittel zur nothwendigen Erwei-terung der Kapelle und die Herstellung ihrer im Eisgangvon 1709 zertrümmerten Nheinmauer nur durch Ver-pfändungen aufgebracht werden konnten, obgleich der Lan-desheer der Kosten trug. Für die nochmalige Aus-besserung der Kirchmauer im I. 1729 und die HerstellungdeS vom Sturm beschädigten Kirchthurms mußte eine La»deskollekte ausgeschrieben werden. Dagegen wurden imnämlichen Jahre zwei neue Glocken für Mülheim gegossenund im I. 1759 schon wieder drei Glocken, nachdem imJahre vorher der Kirchthurm neu errichtet war.
Die erste Brandspritze wurde im I. 1727 für INNthlr- angeschafft, und die erste Apotheke erst 1732 durchJohann Gottfried Farber aus Salzwedel unter churfürstl,Concession errichtet Aerztliche Hülfe suchte man damalsnoch bei den Amtsfeldscherern zu Bensberg und Opladen,oder bei einem der drei Doetoren in Köln, und erst imI. 1759 ließ sich der vom Medieiuä Doetor in Düssel-dorf approbirte Wundarzt Franz Pichler, ein Böhme, zuMülheim nieder. Das Bürgerbuch sagt: „in Betreffdann hier in Mülheim kein Arzt wäre und doch solcheProfession allhier nothwendig, so hat man den ChirurgusPichler zum Bürger aeceptirt für 1 Karolin in Gold,1 Nthlr an die Kirche, 1 Nthlr. Weinkauf und 1 ledernenEimer " Es wohnte damals auch noch kein Ubrmachnin der Freiheit, und der Meister Breidenbach in «Solingenfertigte im I. 1756 die erste Gemeindeuhr für den Thurmder kath-Kirche. Dagegen kommen bald nach dem 3l)jäh-rigen Kriege schon Buchdruckereien in Mülheim vor.Unter der Famlie Proper bestand eine Buchdruckerei biszur Mitte des vorg. Jahrhunderts; dann unter AureliuSSchöttler bis zum Jahr 1789, dann unter Johann KonradSprich bis 1891, wovon I. A. Lumscher die Druckereiübernahm, der im I. 1811 aber nach Köln zog.
Von der hiesigen Erfindung der Kupferstecher« durcheinen bei Beneberg gebürtigen Schäfer Franz Bocholt im