Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

D ritten Theils

sie ohne grossen Ubelstand nicht können ausgerufenwerden / unterstehen sie sich die Augbrauen nur 5M-ben anzustreichen / und auf solche Weise dieses Zei-chen der Aelte zu verbergen. Ich halte nicht davor/daß die Rorh-Scbimmel wie auch die Rappen ehera- aum / als die andern / sondern glaube verglich /daß man darauf sussen kan/ daß sie insgemein wenigvor vier-oder fünffzehen Jahren grauen/und kan mancincm Pferd/so es grauer/dieses Alter beymessen.Man kan auch eine vollkommene Wissenschaffr derPferde Alter halben aus ihren Gaumen oder Rachenschöpffen/ dann sich derselbe mir zunehmendem Alterabfleischt und in der Mitren austrocknet. Solche beyjungen Pferden sehr erhobene fleischichte Striche las-sen sich nach und nach mit anwachsendem Alter nie-der/ und nehmen ab / also/daß endlich andemRa-' chen bey den Alten nur bloß die Haut über das Bemacht. Mit geringer Müh kan man sich dieses Kenn-zeichens/ insonderheit bey den Stutten/ bey welchendas Alter aus den Hacken nicht kan abgenommen' werden/ bedienen. Dann so man einem Pferd von! 6. Jahren den Gaumen oder Rachen betastet/wer-jden die Striche erhobener und fleischichter seyn / als»um das achte Jahr / um zehenJahr wird der Gau-men magerer und dürrer seyn / als im achten undneunten / und also fortan.

In Hispanien hat man eine bessere Gewißheit der! Pferde Alter halben / dann alle die jenige / so gute! Srurtereyen oder Pferde haben / die der Müh werthj sind/ und bezeugen / daß sie mir der Zeit was wer-! den / gehen zu dem Nocurin, und lassen in Beyseynjetlicher Zeugen / um solche Zeit/ da man gewiß von! ihrem Alter urtheilen kan / das ist / wann sie die jun-! gen Zahne noch haben / eine ^rreltarion oder Scheini aufsitzen/ darinnen der^orsnus srrettiret/ undbe-^ zeugt / daß dieses oder jenes Pferd / von solcher Färb/! von solchen Kennzeichen/ von Gewächs / auf dieser> Fohlen Zucht / auf solche Weiß gezeichnet / um sol-che Zeit vier oder fünff Jahr alt gewesen / welches! mit seiner und der Jeugen Hand unterschrieben / und! dem Hern: des Pferds eingehändiget wird / welcher!bey Verkauffung des Pferds zu Beweißthum seines! Alters solche Xrrellsrinn proclucirr und hervor! bringt. Wann solch/ Manier auch anderer Orten' in acht genommen/würden nicht so vieler Pferde Al-ter verstellt und falsch gezeichnet werden / und sollendie Kunst^Stücklein ^ l^cklsukörr vergebensund umsonst seyn. Die Grau - Schimmel werdenim Alter weiß / und bekommen nach Proportion ih-res Alters am gantzen Leib weisse Haare. Es ist zwarnicht ohne/ daß nicht auch weisse Pferde/wiewol sel-ten genug/geworffen werden/ aber man kennet jenean etlichen ^xrrermtaten / als an den Knien undKnie-Kählen / da sie die Haare nicht ändern / son-dern grau bleiben.

Es gibt Pferde / die allezeit schöne / weisse und sokuche Zähne haben / als wann sie erst sechs Jahr altwaren / da sie doch ojst mehr als zwölff zurück gelegt/welche / so sie einem Roß - Handler kaum uNrer dieHände gekommen/ gewiß von ihm allezeit falsch ge-zeichnet / und für sechs-jährig verkaussr werden. Da-mit man sich nun nicht anfubren lasse / sondern sol-

A chtes Buch.

ches erkenne / muß man erstlich wissen / wann gesagt!w,rd/ daß einPferd falsch gezeichnet sey/daß man»hm nm einen Stech - Eisen den Eck-Zalm ausgehölt/solche Hohle geschwartzt/ und so viel möglich den na-türlichen Kennzeichen nach / gemacht habe. Manschwächet das Grüblein alsobald mir gar schwartzerDinten/ und lassr solches rrucken werden ; welchesdann so lang/ als das Grüblein wahret und ausdau-ret; Welche noch listiger sind / brennen mit einengluendm Eisen ein Körnlein Dinckel in des ZahnsHöhle / welches denselben vollkommen schwartzt /dann aus diesem Körnlein ein Oel heraus gebt/sodem Zahn von neuem anklebt. Es gibt noch andereMittelein Pferd falsch zu zeichnen / welche aber keinehrlicher Mann prstticiren oder werckstellig machensoll / es ist genug / daß ich angezeigt / was zu Vermei-dung dieses Betrugs nothwendig ist. Ein falsch-ge-zeichnet Pferd kan man an Besichtigung des ZahnsHöhle erkennen / welche den natürlichen niemalen soahnlich / daß man den Betrug und Falschheit mit ge-ringer Müb nicht entdecken und erkennen möge. Fer-ner/ weil das Pferd nicht allezeit Gedulr hat / sogeht mithin ein Stich neben aus/ welches den Zahnritzet; So man dewwegen solchen Ritz neben denGrüblein gewahr wird / ist es ein Zeichen eines falsch-gezeichneten Pferds. Neben dem / ist auch der obe-re Hacken zu betrachten / der gekannelt/ das ist/inn-wendig von dem Gaumen biß an die Spitzen/vor densieben Jahren ausgehölt / und einem Canal gleichseynsolte/ welches ein zimlich gutes Merck-Zeichen.Die obern Zahne werden zu lang / den untern nichtgleich / und gelb seyn; Die Lanulse wird untenherscharff; Die unternHacken abgenutzet / dick und ko-rhigt seyn / an statt/ daß bey einem Pferd von sechsJahren die untern Hacken klein / spikig/und zu bey-den Seiten scharff seyn werden. Wann ein Pferdunterschiedliche Zeichen seiner Aeltt- hat / ist es ein An-zeigen/daß es falsch gezeichnet worden/welches manauch an dcn untern Hacken abnehmen kan / dann der-selbe abgenutzet / voller Unreinigkeit/ und bißweilenüber die Massen lang und dick ist. In Summa / mankan es daran erkennen/ indem das falsche Kennzei-chen niemalen so gut nachgemacht ist / daß man solcheprsttic durch geringe Erfahrung nicht entdecke/ne-ben dem/ daß ojftermalder Zahn über die gebühren-de Länge/ und das durch Kunst gemachte Grübleinschwächer als das natürliche seyn wird.

Es wird zu Erkennung der falsch - gezeichnetenPferde ein wenig Erfahrung / und genaue Betrach-tung eines mit dem guten Kennzeichen gezeichnetenPferds/ gegen den verstellten Zahn/erfördert/ wo-rinn man hernach wenig irren kan. Au glauben / daßman einem Pferde die Zahne zu Versicherung dersel-ben abseille/und absäge/ dasselbe hab ich noch nicht/ob man schon allen möglichsten Fleiß angewendet /wohl ausschlagen gesehen. Und ist gewiß / daß mannur / so schöne und junge/ das ist / kurtze und weisseZähne haben /^falsch gezeichnet. Alle / so sich denPferden die Zähne abzusägen und kücher zu machenunterstanden/ haben nur Verwirrung und Ungele-genheir darvon gehabt / und glaub ich nicht/ daß sol-ches j emand zweymal sein Lebta g habe thun lassen.

(L) z ' ' Dann