302 Anonymus.
nnder der gestalt des brots, und sein heylig bluet under dergestalt des weins. Diser lud die weld zu dem thisch gottes,und giengent etlich thausendt menschen zu dem thisch gottesungebeichtet und ungereüwet, und entfiengent wein und brotin der gedechtnusz Christi 1 ), alsz er sprach: es wer brod und 5wein, und nit mehr dann ein gedechtnusz gottes; und zögeein grosse menge der weit an sich durch das, alsz er prediget,das usserliche werck nüt werd werend gegen gott. Dasz namiedermann ahn, und ward dasz heylig evangelium ganz under-truckt, und lebt all weit in grosser leichtfertigkeit. ,0
[44] Item in disem jähr fileng man an nit mehr zue beichten,und fastet nieman oder gahr lüzel under der gmain.
Item vil leüt füengent auch an, an dem freytag und sambs-tag fleysch essen.
Item in der fasten frasz der mehrtheil fleysch 2 ). ,5
Item vil feyrtag wurden nit mehr gehalten von vil leüten 3 ),und aller kilchenbrauch ward ganz verspottet. Es beschachMärz so auch an dem heyligen carfreitag dem grab zu sant Peter, daChristus eingeleyt ward, in der nacht ein grose schmocht; undflohent die briester, so bey dem grab sungent, all usz der 20kirchen, und ward die kirch beschlossen. Und sollches sot aufiBurg auch beschehen sein 4 ).
Item der mehrtheil zue Basel frassent eyer die ganz fast;dann der merck was all tag vol der eyer, die feyl warendt.Wasz soll ich sagen? Der mensch hat sich ernittet 5 ) aller 25leichtfertigkeit die ganz fasten.
Vicesimo sexto.
In disem jähr ward Waltshuet wider versßnt mit demfürsten, und nament den christenlichen brauch wider an sich 6 ),
5. HC! er wer lirod.
1) Ueber diese Abcndmahlsfeier auf Ostern d. J. (1. April) s. Herzog i354. Doch hatte eine solche nach neuem Ritus schon am l.Nov. 15*stattgefunden; s. ebend. S. 340.
2) Trotz dem erneuerten Verbot des Kats v. 15. Febr. d. J.; s. Missivenb.A 20, Bl. 33, und vgl. Urfehdenb. III 96. .
3) Eine gesetzliche Verminderung der Feiertage erfolgte erst uurRatsbeschluss vom 28. Mai 1527; s. Herzog II 40.
4) Vgl. B. Chron. I 405.
5) D. h.: hat sich ernietet (sich hingegeben).
G) Die Unterwerfung unter Erzherzog Ferdinand erfolgte schon a0. Dec. 1525; s. B. Chron. I 403, auch Bullinsrer I 303 und Villinger Chron.S. 151.