heimischer deutscher Namen zweifellos sehr zu beklagen, und es istdeshalb das Streben jener, die bisher dnrch Herausgabe vonNamenbüchlein auf eine allmähliche Änderung in der Namen-sindung hinarbeiteten, gewiß zu loben.
Dies erkannte auch die Hauptversammlung des allgemeinendeutschen Sprachvereins vom Jahre 1888 und beschloß mitRücksicht darauf, daß dem Vereine die Förderung nationalenFühlens und Denkens überhaupt obliegt, soweit dies mit Er-scheinungen in der Sprache zusammenhängt, ein Verzeichuißdeutscher Personennamen bearbeiten und herausgeben zu lassen.
Der Verein eröffnet hiermit — und dies sei auch hier aufdas nachdrucklichste hervorgehoben — keinen Krieg gegen jeneNamen, die seit vielen Jahrhunderten das Christenthum bei unseingebürgert hat. Trotzdem glauben wir die Billigung allernational fühlenden Deutschen für uus zu haben, wenn wir derAnsicht sind, daß wir Deutsche auch bei der Namengebung esnicht bedürfen, in die Ferne zu schweifen. Es scheint nns auch,nachdem die beiden letzten Jahrzehnte das Volk sich selbst wieder-gegeben haben, der Wunsch berechtigt, daß unseren Kindern inihren Namen eine dauernde Erinnerung an ihre nationale Zu-gehörigkeit schon vou deu Eltern auf ihren Lebensweg mitgegebenwerde, eine zwar leise aber nnvertilgbare Mahnung, nicht derVäter zu vergessen, die ihnen einst in schweren Tagen die Mög-lichkeit wahrten, Deutsche zu seiu. —
DieZ Namenbüchlein süßt auf dem Entwnrfe, der bis zumFrühjahr 1890 unseren Zwcigvereinen vorgelegen hat; dieserEntwurf wurde vou dem Unterzeichneten unter Zugrundelegungder eingesandten Gutachten uud Vorschläge umgearbeitet nnd aufWnnsch des Gesammtvorstandes in die vorliegende Form ge-bracht. Die Sammlung umfaßt Namen, die ursprünglich theilsden einzelneu deutschen Stämmen (Baiern, Franken, Alemannen,Goten, Sachsen), zum größeren Theile aber allen Deutscheneigenthümlich waren. Eine streng scheidende Sonderung nachden Volkstämmen, wie sie vom wissenschaftlichen Standpunkteaus gewünscht wnrde, schien weder dem Vorstände noch dem Ver-fasser für ein Büchlein passend, das zum täglichen Gebraucheunserer Volksgenossen zu dienen bestimmt ist: wir wollen nns.nicht trennen sondern einigen.
Graz, am 28. April 1891.
Ferdinand Khull.