Zwölffteö Buch / Holtz-und Weidwerck.
Z55
cxxxix.
Von den Tränck-Tennen.
Jese Tennekan man gelengesam imSomer undWinter gebrauchen/im Sommer muß es alleinan Orten seyn/wo nicht vielWasser ist/nur etwaein Bächlein oderBronnenquellen in den grossen Wäl- ^dern/darinnsich dasGeflügelgern aufhätt/zu finden ist/darnach muß es geschehen bey trockenem und HeissemSommerwetter/da von Natur alle Thier die Küh ungam meisten verlangen. Ist nun ein Bächlein/ das beydürrer Zeit schier gar ausgetrocknet / und nur etlicheDümpffeln verbleiben / mag man ein Feldwegs weitdie übrigen kleinen Dümpffel alle mit Reisicht undGesträuche wohl verdecken / und nur einen von dengrossen offen lassen/daselbst sein Schlagnetzlem hin-richten/ solches aber erst nach etlichen/ wann man imHüttlein (das man auch zuvor an einen gelegenen Ortsetzen muß) vernimmt/daß sie hauffig einfallen / dieDümpffel oder Brönnlein müssen mit dünnen weit-schichtigen Reisern belegt seyn/ daß die Vögel daraufsitzen/und desto bequemlicher trincken können. Wannnun das Netz gerichtet/bedeckt/mit Mies oder TannenGereisicht / und ein guter Fang da ist/ wird das Netzeaezuckt/und der Vogel gefangen. Ich habe bey HermHanns Sigmunden Fünffacher/Freyherzn seeligen/aus seinemGutMatzen/lmViertel Unter-Mainhards-1?erg im Marchfeld gelegen/dieseWeidmannschaffc ge-sehen / in seinem grossen nechst an,Matzen angelegenenWald/gegeDürrenkrutwärts/weilwederBächenochBronnen darinnen/hat er im Sommer bey DürremWetter/eine grossen vorher wol ausgewässerten eyche-nen Grand eingraben/ und voll Wassers füllen lassen;nachdem nun dasGeflügel eineguteZeit darzu gewohnt
und daselbst ihr Trincken geholet / hat er ein Hüttleindahin bauen/und ein Schlagneklein darüber richten/den Grand aber mit gefchwanckten Ruthen belegenlassen/ da sind wir nun ein paar Stund im Hüttleindabey gesessen / und haben über 5s. grosse und kleineVögel/allerley Sorten und Gattungen/Baumhäckel/Mistler/ Droscheln/ Grünspecht/ Haher/Kukuck/Am,sein/ Kenibeiß/ Turteltauben/ Widhöpffe/ auch keineVögel/ Fincken/ Zeißlein/ Massen/ Rochkröpfiein/ mitden Netzlein nach und nach überzogen/ ee sind auch/wiemir wolgedachter Her: erzehlt/Eychhörnlein/ Füchseund Hasen bißweilen darzukommen / sonderlich aberFälcklein / Sperber/ Habicht und Geyren / ob sie wolzu trincken nicht pflegen / doch sich zu baden. Ist allodieses Weidwerck keine gering« Erlustigung / die mitschlechten Unkosten kan verrichtet werden. Nur mußbey dürrem Wetter / das alte verstandene Wasser offtausgeschöpft/ und in Fischiauen/ frisches Wasser hin-ein gegossen werden/man kan fast den gantzenTac da-bey seinen Fang thun / Morgens und Abends trinckensie/ und Mittags baden sie.
Im Winter / wann die Bäche alle überfroren / kanman diefer Schlagnetzlem gleichesfalls gebrauchen/wann man aufden grossen Bachen in denWäldern ei-nen oder mehr Ort aufesset/ und mit Gesträuchen bele-get/daß die Vögel/ die dahin zum Trincken kommen/darauf sitzen mögen / hernach werden solche Ort mitNetzen beleget. An allen diesen Orten mag man auchdie Leimspindel mit gutem Nutzen/und gewisser guterVerrichtung gebrauchen.
cxQ
Bon Leim - und Plättbäumen / auch von Leimkühlen.
Jeses Weidwerck muß mit Leimspindeln verse-hen werden/ deren sind aber dreyerley Gattun-gen/ die grossen/welche aber bey uns nicht son-dern nur inJtalien in den kurtzenSträuchen undWein-gebürgen gebraucht/und daselbst Ve^on, genanntwerden/mit den mittern Leimspindeln / die ohngesehranderthalb oder zwey Schuhe lang sind / besteckt manleichte/ lange/glatte und gerade Stänglein/die mit Lö-chern durchbohret sind / darein man die Leimspindelnstecken kan / die Stange hat unten ein spitziges Eysen/daß man sie desto schneller überall / wo man will / kaneinstecken.
Die kleinen Leimspindeln sind in unsern Landern amgebräuchlichsten / die hoch / nachdem sie auf Kranweth-vögei / Mistler oder Halb-Vögel / und gar kleine Vö-gelein genützet sind/ stärcker und schwächer gemachtwerden: Man muß darzu einen langen geraden Baumerwählen/ die unnützen und übrigen Aestegar wegräu-men/ die andern stümmlen/ und mit ausgehöhlten Ho-lunder-Röhrlein / darein man die Leimspindeln hefftenkan/bestecken; offtmals werden solche Baume Manns-hoch abgesägt / ausgehackt / und mit einer Pfaltz und
Eysen wieder zusammen geflossen/ also daß man sie da-selbst aufrichten und niederlassen kan/und diese werdenFallbäume von etlichen genannt; so darff man / wannman die Leimruthen richten / oder die Vögel abnehmenwill / nicht allzeit hinauf steigen/ sondern lässet den gan-tzen Baum/fo viel abwärts/daß man eines und das an-dere mit besserer Gelegenheit verbringen kan. Darzubrauchen nun etliche allerhandLockvögel/was es etwandaselbst zu geben pfleget / und was man zu fangen ver-hoffet; Andere aber brauchen darzu nichts anders/alsdas Käutzlein/ welches sie nahend dabey an ein Ort/soetwas von andernBaumen(ausser von demLeimbaum)entfernet ist/auf ein Bretlein oder Teller mitarünemTuch überzogen/setzen; wann nun dieVögel ihresF^in-des ansichtig worden/ kommen erstlich die kleinen Mm-sen und Rothkröpflein / hernach aber auch die Amseln/Mistler/ und dergleichen nutzes und unnützes Geflügel/welche alle aufden Kautzen stechen / und sich auf denLeimbaum / ihren Feind "desto besser zu betrachten / se-tzen wollen / die werden nun alle gefangen: gut ists/wann man ein Zäunlein unten herum macht / sonstverfchlieffen sich die an den Leimruthen henckendeund* Rrr rr iij herab