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Die biblische Geschichte in Verbindung mit der biblischen Geographie und Chronologie : ein Lehr- und Lesebuch für Bibelfreunde ; zugleich ein Leitfaden für Lehrer beim Unterrichte in der biblischen Geschichte
Entstehung
Seite
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des Tiberius, in welchem nach Luc. 3, 1 Jesus getauftwurde, womit die Dan. 9, 26 genannten 62 (resp. 69)Wochen ihr Ende erreichen; denn Tiberius fing seine Regierung an 4016 nach Erschaffung der Welt oder 15 Jahrenach Christi Geburt.Hieraus geht also hervor, daß nur dann das Jahr derTaufe. Jesu richtig herausgebracht wird und mit ihr die 62(resp. 69) Wochen ihr Ende erreichen, wenn man 4 Jahrefrüher, nämlich mit dem wirklichen Geburtsjahre Jesu, diechristliche Zeitrechnung beginnt. Wenn nun bis zu diesenJahre, nämlich 4031 nach Ersch. d. Welt oder 30 Jahrenach Chr., die 7 und 62 Wochen verflossen sind, von welchenDaniel 9, 25. 26 die Rede ist, so werden 7 Jahre später die70 Wochen überhaupt aufhören, nämlich 4038 nach Ersch. d.Welt oder 37 nach Chr. Geb. Nach unserer Berechnungtrifft dieses auch ein; so auch, was im 27. Verse gesagt wirddaß nämlich Jesus werde Vielen den Bund stärkenEine Woche lang, d. h. ihnen predigen den Bund derGnade, daß Gott, um des versöhnenden Opftertodes Jesiwillen, allen denen, die solches im Glauben annehmen, Ver-gebung der Sünden, Leben und Seligkeit schenken wolle.Diese frohe Botschaft wurde zuerst den Juden, dem Bundes-volke, verkündigt; sowohl durch Christum selbst, bald nachseiner Taufe, als auch später mittelbar durch die Apostelund zwar nicht bloß den Juden allein, sondern auch denHeiden. Und als Letzteres durch Philippus undPetrus anfing, Ap. Gesch. 8, 10, ging die Bundes-woche zu Ende, 37 nach Chr.; denn nun wurde das Evangelium vom Reiche Gottes gepredigt allen Völkern derErde. In der Hälfte dieser Woche aber, 33½ nach Chr.Geb., hörte das Opfer und Speisopfer auf, indemalle Opfer, die im Ceremonien=Dienste der Juden denselbenvorgeschrieben waren, durch das einzige VersöhnungsopferChriſti am Kreuz ihre Gültigkeit verloren. Die Woche fingmit der Taufe Christi, 30 Jahre n. Chr. Geb. an, und seinLehramt hat Jahre gedauert.*) Die 7 Jahre der letzten*) Nicht von Allen werden die Jahre des Lehramtes Christi zuJahren angenommen; Einige schlagen dieselben zu 3 oder 2 ½, jaAndere sogar zu Jahren an. Es sind indeß, außerdem, daß dieältesten und sorgfältigsten Kirchenväter sagen, die Lehrzeit Christihabe Jahre gedauert, auch noch sonstige Gründe hierfür vor.handen, denn Johannes spricht ausdrücklich von 3 Passahfesten, diewährend des Lehramts Jesu vorkommen. Dazu ist Joh. 5, 1 nochvon einem Feste die Rede, wovon zwar nicht ausdrücklich gesagtist, daß es das Passahfest gewesen ist, das aber dennoch von vielenSchriftforschern für ein solches angesehen und als 4tes Passahfestwährend der Lehrzeit Christi angenommen wird. Für diese Annahmespricht auch Matth. 27, 15, wo das Passahfest ebenfalls schlechthindas Fest genannt wird. Ja, was noch mehr für die Annahmevon Lehrjahren Christi spricht, sind verschiedene Andeutungenund Bezeichnungen Christi selbst. So z. B. im Gleichnisse vomFeigenbaum Luc. 13, 6. 7, wo er das 4. Jahr seines Lehramtesandeutet; ferner dürfte er auch die 3 Jahre 6 Monate bei Luc. 4,25 auf die Dauer seines Lehramtes bezogen haben.

Woche hatten also die Mitte erreicht mit dem TodesjahreChristi, nämlich 33½ Jahre nach seiner Geburt; die andereHälfte von Jahren hinzugerechnet, gibt das Jahr 37nach Christi Geburt, als Ende der 70 Daniel'schenWochen, welches dem Jahre 4038 n. Ersch. d. Welt, so wieebenfalls dem Jahre 33 nach der christlichen Zeitrechnungentspricht, woraus also wieder hervorgeht, daß man ChristiGeburt, und somit den Anfang unserer jetzigen Zeitrechnung4 Jahre zu spät angesetzt hat.Was nun die ferneren Weissagungen Daniels im 26.Verse betrifft, so sind auch sie in Erfüllung gegangen undzwar zu einer Zeit, wie sie unsere Berechnung richtig angibt;denn wenn auch nicht unmittelbar nach Verlauf der 62Wochen Christus ausgerottet,*) wurde, so geschah diesesdoch nach denselben. Weiter hinauszusetzen ist aber die Er-füllung der folgenden Weissagung, nämlich, daß ein Volkdes Fürsten kommen und die Stadt und das Hei-ligthum zerstören werde, daß es ein Ende nehmenwerde, wie durch eine Fluth. Diese Begebenheit hatsich allerdings erst eine geraume Zeit nach der KreuzigungChristi zugetragen; allein sie steht in so genauer Beziehungzu derselben, daß man sie als Folge dieser gewaltsamenTödtung anzusehen hat, für Daniel Grund genug, sie aufobige Weissagung folgen zu lassen. Unter dem Fürsten istwohl Titus zu verstehen und unter dem Volke die Römer;denn sie waren es, die Beides, Stadt und Tempel zerstörten,daß nicht ein Stein auf dem andern blieb. Ja, wie eineschnelle und unvermuthet einbrechendeFluth kam dieZerstörung über Jerusalem, von welcher, worauf der Schlußdes 26. Verses hinzudeuten scheint, gesagt wird, daß sie oderder Streit, der Krieg überhaupt, nicht eher aufhören sollteals bis Alles miteinander würde verwüstet sein.§. 26.Eintheilung des Landes Canaan zur Zeit Jesu.Das Land, in welchem sich dasjenige zutrug, was wir bisher in derbiblischen Geschichte des alten Testaments betrachtet haben, ist auch derSchauplatz der Geschichte des neuen Testaments. Da dasselbe jedoch nachder Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft eine andereEintheilung erhielt, welche auch noch zu Jesu Zeit bestand, so ist zumbessern Verständniß des Folgenden nothwendig, daß wir uns mit dieserEintheilung und den dabei vorkommenden neuen Benennungen bekanntmachen, I. Makk. 10, 30; Ap. Gesch.-9, 31. Von der den Juden gege-benen Erlaubniß, in ihr Vaterland zurückzukehren, machten hauptsächlichdie Stämme Juda, Benjamin und die Leviten Gebrauch. Diese ließensich vorzugsweise in dem früher zum Reiche Juda gehörigen Theil vonPalästina nieder, welcher von nun an Judäa genannt wurde und dasGebiet der Stämme Juda, Simeon, Benjamin und Dan umfaßte.Der südwestliche Theil des Gebirges Ephraim, somit ein Theil desStammes Ephraim, kam später noch hinzu, so daß die Provinz Judäa*) Hierunter wird Christi Kreuzestod verstanden. Ausrotten heißt inder h. Schrift: ein gewaltsames Hinwegreißen aus dem Lande derLebendigen. Vergl. I. Mos. 17, 14. Jes. 53, 8.