sich von diesen Leidenschaften sogar zu wiederholten Mord-versuchen gegen David, seinen Nachfolger, verleiten, Cap.18, 6 — 30, Cap. 19 und 20. Endlich ward er von denPhilistern geschlagen, und stürzte sich, verwundet, um nichtlebend in die Hände der Philister zu fallen, in sein eigenesSchwerdt, Cap. 31.David wurde nun König; nicht aber über das ganzeReich, sondern bloß über den Stamm Juda, indem die übrigenStämme den Isboseth, einen Sohn Sauls, zum Königeerwählt hatten, II. Sam. 2, 8—10. Bis zur Besiegungdes Isboseth, die nach 7 Jahren erfolgte, wohnte David zuHebron; darnach aber eroberte er Jerusalem von den Jebu-sitern, nahm hier seine Residenz und erbaute auf dem BergeZion eine Burg zu seiner Wohnstätte. Auch brachte er dieBundeslande dorthin, II. Sam. 5, 6—9. Es herrschte nuneine Zeitlang Ruhe und Friede im Lande; dann aber wurdeDavids Regierung beunruhigt durch die Ammoniter und diemit ihnen verbündeten Syrer. Doch wurden beide Mächtegeschlagen. Da aber kam über Davids eigene Familie GottesZuchtruthe; denn, er hatte todtgeschlägen und ein-genommen, II. Sam. 12, 9. Vor seinem aufrührerischenSohne Absalom, der sich zu Hebron zum Könige hatte aus-rufen lassen, mußte er fliehen, und als er wieder in seineStadt ziehen durfte, hatte er den Tod Absaloms, der ineiner Schlacht umgekommen war, zu beweinen, II. Sam. 18.Nach 40jähriger Regierung, in welcher er dem Lande Ruhevor seinen Feinden verschafft und dasselbe bedeutend erweiterthatte, übergab er das Reich seinem Sohn Salomo. UnterDavids und Salomos Regierung erreichte das Land undVolk Israel den höchsten Gipfel der Macht und des Reich-thums; dazu war der Jehovahdienst im hohen Grade pracht-voll und feierlich geworden, wozu die herrlichen PsalmenDavids nicht wenig beitrugen. Ein kostbarer Tempel aufdem Berge Morija, von David zu bauen beschlossen undvorbereitet, von Salomo ausgeführt, war das Haus desHerrn, wo sein Name wohnen sollte.Aber nicht die Macht und Ausdehnung seines Reichsist es, die den David zu einem der bedeutendsten Männerdes alten Testaments macht. Weit größer und vielgeltendersteht er da als Einer, in dem sich Alles das vereinigt, wasim alten Testamente dazu diente, die göttliche Verheißungeines einstigen Erlösers und Seligmachers aufrecht zu erhalten,dieselbe fortzupflanzen und die Erfüllung selbst, nämlich dieErſcheinung Chriſti, vorzubereiten. David iſt1) der Stammvater Christi. Als solcher wird er vonGott selbst bezeichnet; denn ihm wird ein Sohn undThronfolger verheißen, dessen Thron ewiglich bestehensoll, I. Chron. 18, 12, 14, Cap. 23, 10. II. Sam.7, 13—16. Und erschienen ist ein solcher in Demjenigen,in welchem ihn die göttliche Botschaft an die MariaLuc. 1, 31—33 nachweist. Salomo ist gestorben unddas Reich Israel ist untergegangen; also sie waren es
nicht, auf welche die Weissagung hindeutet. Auch gehtdies schon aus II. Sam. 7, 14. hervor, wo es heißt:Ich will sein Vater sein, und Er soll meinSohn sein. Hier wird der, wovon von Anfang hergeweissagt und auf den wiederholt mehr oder wenigerdeutlich hingewiesen worden war, zum erstenmale GottesSohn genannt. Als solchen erkennt ihn auch David,wenn er II. Sam. 7, 19 spricht: Das ist eine Weiseeines Menschen, der Gott selber ist..2) ist David ein Vorbild von Christo.a) David war der kleinste unter den Söhnen Isaisund wurde somit für unbedeutend gehalten. Aberwas klein und gering ist vor der Welt, das ist oftgroß in den Augen Gottes. Und stammte nichtauch Jesus, seiner irdischen Herkunft nach, auseinem unbedeutenden Orte und einer dürftigenFamilie? Was kann aus Nazareth Gutes kommen,so äußerte man sich, achselzuckend, über den KönigIsraels!David gelangte erst zur Herrlichkeit, nachdem erLeiden, Verfolgungen und Erniedrigungen allerArt hatte erdulden müssen. Und mußte nicht Christusauch leiden, um zur Herrlichkeit einzugehen? Luc. 24, 26.David litt unschuldig; Christus auch. Fliehenmußte er vor seinem eigenen Volke; Christus auch.Sogar in feindlichem Lande, bei Götzendienern,mußten beide Schutz suchen, I. Sam. 26, 19.Matth. 15, 21.Der Evangelist Johannes führt Joh. 18, 1, denBach Kidron an, ohne Zweifel deßhalb, um auf dasvorbildliche (typische) Verhältniß zwischen Davidund Christo hinzuweisen. David überschritt nämlichden Kidron, als er floh vor seinem Sohne Absalom,I. Sam. 15, 14. 16. 23. und ging weinend denOelberg hinan, Vers 30. Christus war auch, alser über den Kidron ging tief betrübt, und der-selbe Oelberg war Zeuge seines schweren Seelen-leidens. — Nicht zu übersehen sind die Worte, dieDavid bei seiner Flucht zum Priester Zadock spricht,II. Sam. 15, 20. 26, wo es namentlich im 26.Verſe heißt: „Er mache es mit mir, wie esihm wohlgefällt!“ Wer erkennt hierin nichteinen schwachen Abglanz der Worte unsers Herrn:Mein Vater ist es möglich, so gehe dieserKelch von mir; doch nicht wie ich will,sondern wie du willst?! Matth. 26, 39. Aufbeiden Seiten also völlige Ergebung in den Willendes Höchsten. Noch mehr! Bei den Leiden Davidswird sein bisheriger Rathgeber, Ahitophel, imBunde mit seinem Verfolger, an ihm zum Verräther.Und mußte nicht Christus dasselbe von Judaserfahren? War nicht auch er, gleich David zu dem
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