13Nachkommen Israels sehr und wurden zu einem großenVolke, so daß die Verheißung in Erfüllung ging, welcheGott dem Jakob machte, als er ihm auf seiner Reise inBersaba, an des Landes Gränze, erschien: „Fürchte dich nichtin Aegypten hinabzuziehen; denn daselbst will ich dich zumgroßen Volke machen, I. Mos. 46, 3.Das Land Gosen?) wurde den Israeliten zum Wohn-platze angewiesen. Hier lebten sie bald nach Josephs Todeunter den härtesten Bedrückungen der Aegypter. Der NameJosephs lebt zwar bis auf den heutigen Tag in dem Mundeder Aegypter fort, dagegen sind aber auch Zeichen vorhanden,die auf die Sklaverei hindeuten, in welcher die Israeliten vonden Aegyptern gehalten wurden. Man findet nämlich aufalten Werken ägytischer Kunst Leute, unter schwerer Arbeitseufzend, abgebildet, in welchen Abbildungen man glaubt,Israeliten zu erkennen.Jakob gibt, kurz vor seinem Tode, jedem seiner Söhneeinen besondern Segen und nimmt die Söhne Josephs alsseine eignen Kinder an. Von vorzüglicher Wichtigkeit ist dieprophetische Weissagung Jakobs über seinen vierten Sohnden Juda, I. Mos. 49, 8—12, nämlich, daß der StammJuda der herrschende sein und bleiben werde, bis zur Er-scheinung des Helden, der schon gleich nach dem Sünden-falle dem Menschengeschlechte angekündigt, darauf zu wieder-holten Malen den Erzvätern verheißen, später von denPropheten verkündigt und genauer bezeichnet undendlich in Christo Jesu erschienen ist, welchem die Völkeranhangen werden. Und nicht nur ist Juda wirklich der herr-schende Stamm geblieben bis auf die Zeit, da Christus,der Löwe aus Juda, auftrat,*) sondern die Familie Juda'sist es auch, aus welcher Christus als Sprößling hervorgeht,Jes. 11, 1. Ebr. 7, 14. Matth. 1, 1—6.Die Geschichte Joseph's ist so reich an einzelnen That-sachen, die wir in ähnlicher „eise in der Geschichte Jesuwiederfinden, daß wir mit Recht Joseph's Geschichte als einVorbild der Geschichte Jesu ansehen können; sowie denn überhaupt die Begebenheiten des alten Bundes hinüberreichen indie Zeit des neuen Bundes. Nur, daß sie hier sichtbarer,bestimmter, ergänzend und wahrhaft Frucht bringend hervor-treten. Laßt uns einige Augenblicke hierbei verweilen unddie Wahrheit dieses Satzes näher ins Auge fassen!1. Joseph war der Liebling seines Vaters; und vonChristo sagt der himmlische Vater: Dies ist mein lieberSohn, an welchem ich Wohlgefallen habe.Es bestand nach dem Untergange der königlichen Macht eineigenes Regiment unter den Juden, nämlich in dem hohenRathe oder Synedrium, Matth. 26, 59. 66, Joh. 19, 7, undman wird auch hier wie bei frühern Gelegenheiten, z. B. Richt.1, 2 den Stamm Juda, als den stärksten, am ersten berücksich-tigt haben.
2. Jakob schickte den Joseph hinaus ins Feld, um zu sehen,ob es wohl stehe um seine Brüder. Aus Gehorsamgegen ſeinen Vater und aus Liebe zu ſeinen Brüdernfindet sich Joseph zu dieser Sendung willig und bereitund spricht: „Hier bin ich!“ I. Mos. 37, 13. So hatauch Christus, willig und gehorsam, den Thron seineshimmlischen Vaters verlassen, ist als Gott=Gesandterauf die Erde herabgekommen, um hier zum Wohl undHeil der Menschen zu suchen und selig zu machenwas verloren warDa kommt der Träumer her; laßt uns ihnerwürgen, sprachen Josephs Brüder, als sie denJoseph kommen sahen. Das ist der Erbe, kommtlaßt uns ihn tödten, heißt es in dem Gleichnissevon den Weingärtnern, als sie den Sohn kommensahen. Matth. 21, 38 bezieht Jesus diese Worte auf sich.So wie Joseph für 20 Silberlinge verkauft wurde, sowurde nachher Jesus für 30. Silberlinge verkauft oderverrathen.So wie Joseph von seinen Brüdern verstoßen wurde,so wurde Jesus von seinem Volke verstoßen.Der den Joseph verkaufte, hieß Juda, der Jesum ver-kaufte oder verrieth, Judas.7. Joseph wurde von den Ismaelitern nach Aegypten ge-bracht, verlebte hier im Hause Potiphar's mehrereJahre in der Knechtschaft, wurde versucht, seinem Herrnuntreu zu werden, überwand im Hinblick auf Gottdiese Versuchung (Wie sollt ich ein so großes Uebelthun und wider Gott sündigen?!), mußte aber dennoch,auf die Aussage von falschen Zeugen hin, in's Ge-fängniß wandern, bis er im 3. Jahre seiner Gefangen-ſchaft, durch die weiſe und gütige Leitung ſeines Got-tes, dem er stets vertraute, aus diesem Stande dertiefsten Erniedrigung zum Stande der Erhöhung ge-langte. Sehet da eine Reihe von wunderbaren Bege-benheiten in dem Leben Josephs, durch welche ihn diegöttliche Weisheit und Vorsehung insbesondere zu einemVorbild unsers Herrn und Heilandes gemacht hat!Von Jesu Knechtsgestalt während seines Erdenwallensist die Rede Jes. 53. Phil. 2, 6—8. Auch ist Christusversucht worden, versucht, untreu zu werden in demDienste seines Gottes und sich hinzugeben dem Dienstedes Satans. Aber auch er siegte in der Versuchung,gewappnet mit dem Worte Gottes. Ein dreimaliges:Es stehet geschrieben! entwaffnet den Versucherund verscheucht ihn auf lange Zeit. Wie bei Joseph,traten auch bei Jesu falsche Zeugen auf, Matth. 26, 60.Die 3 Jahre Gefängniß bei Joseph entsprechen den 3Tagen, die Jesus im Grabe zubrachte.Joseph lag bei seiner Erniedrigung im Gefängnissezwischen zwei Mitgefangenen; so hing Jesus bei seiner