Tic Kleidung. 85
„nicht entschuldigen, und wenn es gewöhnlich ist, zu„sündigen, so ist es auch gewöhnlich zur Hölle zu fahre»."
So weit der fromme Mann. — Aber ach, wie istes in dieser Beziehung jetzt mit uns bestellt, wer, außerden höchsten Ständen, denkt noch daran, sich uach sei-nem Stande, nach seinen Verhältnissen zu kleiden, wiekleidet sich selbst die Stallmagd! — In Düsseldorf sahich einmal eine plumpe Küchenmagd, welche an eineinArn: einen großen Korb mit Gemüse (es mar Rotkohl),in der einen Hand zwei Hühner und auf dein Hutezwei Federu hatte! — Was sieht man für schamlose,für lächerliche Anzüge, wie viele Familien werden durchdie Putzsucht der Frauen ruiniert! — Man hat wirklichkaum den Mut, etwas gegen diese allgemeine Verir-rung unserer Tage zu sagen und doch gerade in unsernTagen, wo so viel für die Industrie geschieht und mandie hübschesten Stoffe zu billigeu Preisen haben kannund billige Zeitungen, die Anleitung zur Selbstanferti-gung der Kleider geben, könnte man sich, der Modemäßig folgend, mit wenig Kosten ganz geschmackvollkleiden. Ganz kürzlich war in einer Modezeitung eineToilette der achtzehnjährigen Erzherzogin Valerie, Tochterdes Kaisers von Oestreich, beschrieben: Glatter weißerSurah-Nock, ohne Troussierung, nur aus drei breiten,wenig gezogenen Volants gebildet und Leibchen ä IsViergk, eben genug ausgeschnitten, um einem schwarzenSammetbande mit goldenem Kreuz Platz zu gönnen.
Zur Herrichtung eines passenden Anzuges in beschei-denen Verhältnissen, ist natürlich die richtige Wahl desStoffes eine Hauptsache, und gute Zeuge erweisen sichin der Folge meistens als das wohlfeilste; sie tragensich lange und können hernach gewendet und gefärbtwerden und man nehme Rücksicht auf letzteres, weilnicht alle Stoffe sich gleich gut färben. Zugleich ist,ebenfalls in Bezug auf das Färben, anzuraten, Gesell-schaftskleider in hellen Farben zu wähleu und sie späterdunkel särben zu lasseu und von allen bessern Stoffen,