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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Freudenfest.

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Die Königsstadt ist an diesem Feiertage seit dem frühenMorgen von einer Räucherungswolke umhüllt; das mit Blumenbekränzte Volk durchzieht mit Lobgesängen auf die Göttindie Strassen; die Bürger grüssen sich mit den Namen derengsten Verwandtschaft; alle Herzen sind von zarten Ge-fühlen erfüllt; die Atmosphäre ist mit Sympathie beladenund lässt nur Liebe und Freundschaft athmen.

Ein Theil des Tages geht so vorüber, und zur gebräuch-lichen Stunde drängt sich die Menge zum Tempel, wo dasheilige Bankett gefeiert wird.

Im Heiligthume zu den Füssen der Göttin ist die denPriestern bestimmte Tafel gerichtet; eine andere Tafel von1200 Gedecken ist unter der Kuppel für die Gäste beiderleiGeschlechtes bestimmt; alle Künste haben zum Schmuckdieser Festtafeln beigetragen, in den Palästen sah man nie-mals etwas so Zierliches.

Die Priester kommen mit langsamen Schritten und ern-stem Angesichte, sie tragen eine weisse Tunika von Kaschmir-wolle, am Rande mit rother Stickerei geziert, deren Faltendurch einen Gürtel von gleicher Farbe zusammengehaltenwerden, ihr Antlitz strahlt von Gesundheit und Wohlwollen,sie nehmen nach gegenseitiger Begrüssung Platz.

Schon haben die in weisses Linnen gekleideten Dienerdie Schüsseln aufgetragen. Das sind keine gewöhnlichenZubereitungen zur Stillung gemeiner Bedürfnisse. Aufdiesem höhern Tische werden nur Speisen gereicht, die durchdie Wahl der Stoffe und die tiefsinnige Arbeit seiner würdigsind und höhern Sphären entstammen.

Die ehrwürdigen Gäste stehen über ihrem Amte, ihrefriedliche und gediegene Unterhaltung beschäftigt sich mitden Wundern der Schöpfung und mit der Macht der Kunst,sie essen langsam und kosten gründlich. Die Bewegungenihrer Kinnbacken haben etwas Sanftes, man möchte behaup-ten, dass jeder Biss einen besonderen Ton gibt, und wennsie die Zunge über ihre glänzenden Lippen gleiten lassen,