Ludwig der Vierzehnte. 265
Malerei und Bildhauerei vereinigte, und dem Auge ein an-genehmes Bild oder eine den Umständen und den Heldendes Festes angemessene Gegend vorführte.
Dies war das grosse und selbst das gigantische Elementin der Kochkunst. Aber bald verlangten weniger zahlreicheGesellschaften und feinere Mahlzeiten grössere Aufmerksam-keit und weiter gehende Sorgfalt.
Bei den kleinen königlichen Mahlzeiten, im Saale derGünstlinge, bei den feinen Nachtessen der Courtisanen undder Finanzleute entwickelten die Kochkünstler ihr höchstesWissen und suchten, von löblichem Wetteifer erfüllt, einan-der zu übertreffen.
Die Namen der berühmtesten Köche wurden gegen dasEnde dieser Zeit mit denjenigen ihrer Herren genannt unddiese Letzteren waren stolz darauf. Die Verdienste beidervereinigten sich, und die berühmtesten Namen fanden sichin den Kochbüchern bei Speisen, welche von ihren Trägernbegünstigt, erfunden oder eingeführt wurden.
Heutzutage bat diese Vermischung aufgehört. Wir sindnicht weniger Feinschmecker als unsere Ahnen, vielleichtnoch mehr, aber wir kümmern uns weit weniger um denNamen desjenigen, der in den unteren Räumen herrscht. DieBelobung durch Neigung des linken Ohres ist der einzigeTribut der Bewunderung, den wir dem Künstler zollen, deruns entzückt, nur die Garköche, d. h. die Köche des Pu-blikums, sind die einzigen, welche einen namentlichen Ruferhalten, der sie schnell zum Range der grossen Cnpita-listen emporhebt. Utile dulci.
Für Ludwig XIV. brachte man aus der Levante dieMiste], welche man „die gute Birne" nannte, und seinemAlter verdanken wir die Liköre.
Dieser Fürst fühlte sich zuweilen schwach, und litt anjener Lebensschwierigkeit, die häufig nach 60 Jahren ein-tritt. Man verband den Branntwein mit Zucker undWohlgerüchen, um daraus ein Getränk für ihn zu bereiten,