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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Fasten.

Vierundzwanzigste Betrachtung.Vom Fasten.

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D efinition.

117. Das Fasten ist eine willkürliche Enthaltung vonNahrungsmitteln zu moralischem oder religiösem Zwecke.

Obgleich das Fasten einer unserer Neigungen, oder viel-mehr einem unserer gewöhnlichsten Bedürfnisse zuwiderläuft,so stammt es doch aus dem höchsten Alterthume.

Ursprung des Fastens.

Die Schriftsteller erklären diese Einrichtung auf folgende"Weise.

Wenn, sagen sie, ein Vater, eine Mutter, ein geliebtesKind in einer Familie starb, so trauerte das ganze Haus;man beweinte den Todten, wusch seinen Körper, balsamirteihn ein und bestattete ihn mit den seinem Range gebühren-den Ehren. Bei einem solchen Familienunglück dachte mannicht ans Essen, man fastete, ohne daran zu denken*).

Ebenso verhielt man sich • bei öffentlichem Unglück.Wenn eine ausserordentliche Trockenheit, übermässigerRegen, grausame Kriege, ansteckende Krankheiten, mit einemWorte, wenn jene Geiseln, gegen welche Kraft und Industrieohnmächtig sind, über das Volk hereinbrachen, so jammerteman und schrieb das Unglück dem Zorn der Götter zu; mandemüthigte sich vor ihnen und opferte ihnen durch Enthalt-

*) Die philosophische Deduction des Fastens, die hier gegebenwird, will mir nicht recht einleuchten. Es scheint mir, als sei dieEinrichtung der Leichenmahle, bei denen es Anfangs zwar stetsgemessen und traurig, später aber oft nur um so fröhlicher herging,weit älter, als diejenige des Fastens. C. V.