Druckschrift 
Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

Ursachen.

205

Ernährungsweise herrührt, wozu viel Stärke und Mehlbe-standtheile genommen werden, und ich fand, dass eine solcheErnährung stets dieselbe Wirkung hat.

In der That werden die Fleischfresser nie fett, z. B. dieWölfe, Schakale, Raubvögel, Raben u. s. w.

Auch die Grasfresser werden nicht fett, so lange we-nigstens als das Alter sie nicht zur Ruhe zwingt; sie wer-den aber schnell in jedem Lebensalter fett, wenn man ihnenKartoffeln, Getreide oder Mehl aller Art £ibt.

Die Fettleibigkeit findet sich niemals, weder bei denWilden*, noch in denjenigen Classen der Gesellschaft, woman arbeitet, um zu essen und nur isst, um zu leben.

Ursachen der Fettleibigkeit.

101-. Nach den vorstehenden Untersuchungen, derenRichtigkeit Jeder bestätigen kann, hält es leicht, die wesent-lichen Ursachen der Fettleibigkeit anzugeben.

Die erste ist die natürliche Anlage des Individuums.Alle Menschen werden mit gewissen Anlagen geboren, dieauf ihrem Gesichte geschrieben stehen. Von hundert Per-sonen, die an Auszehrung sterben, haben neunzig brauneIlaare, ein langes Gesicht und eine spitze Nase. Von hun-dert Dicken haben neunzig ein Vollmondsgesicht, rundeAugen und eine stumpfe Nase.

Es gibt also ganz gewiss Personen, die zur Fettleibig-keit Anlage haben und deren Verdauungsliräfte bei sonstgleichen Verhältnissen eine grössere Menge von Fettstoffsich aneignen.

Diese materielle Wahrheit, von der ich innig überzeugtbin, beeinflusst leider in betäubender Weise bei gewissenGelegenheiten mein Urtheil.

Wenn man in der Gesellschaft ein junges, lebhaftes, ro-siges Mädchen trifft, mit neckischem Stumpfnäschen, abge-rundeten Formen, Patschhändchen, kurzen und niedlichenFüsschen, so ist alle Welt über eine so reizende Person ent-zückt; ich aber, von der Erfahrung belehrt, lenke meinen