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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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Herzog Decres.

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sich bescheiden gegen die beiden übrigens sehr achtungs-werthen Eigenschaften verwahrte, die ich ihm zugeschriebenhatte.

Ich hielt mich nicht für besiegt und antwortete aufder Stelle, die Natur thue nichts umsonst; sie habe ihnsicherlich für gewisse Zwecke gebildet und wenn er diesenicht erfülle, arbeite er gegen seine Schickung — übrigenshätte ich kein Recht zu solchen Vertraulichkeiten undähnliche schöne Dinge mehr.

Unsere Correspondenz blieb dabei. Einige Zeit daraufaber wurde ganz Paris durch die Zeitungen von der merk-würdigen Schlacht in Kenntniss gesetzt, welche zwischen demMinister und seinem Koche Statt fand — ein langer, hin undher wogender Kampf, in dem die Excellenz nicht immerSieger blieb. Wenn nun nach einer solchen Begebenheit derKoch nicht weggeschickt wurde (und er blieb!), so schliesseich daraus, dass der Herzog durchaus unter der Herrschaftder Talente dieses Künstlers stand und dass er verzweifelte,einen Zweiten zu finden, der seinem Geschmack so wie dieserzu schmeicheln verstände; sonst hätte er gewiss niemals dennatürlichen Widerwillen überwinden können, von einem sokriegerischen Kochkünstler bedient zu werden.

Während ich an einem schönen Winterabende diese Zeilenschrieb, kam Herr Cartier, früher erster Violinist der Operund geschickter Lehrer, zu mir und setzte sich ans Kamin.Voll von meinem Gegenstande, betrachte ich ihn genauerund sage zu ihm: „Lieber Professor, wie kommt es, dassSie kein Feinschmecker sind, da Sie doch alle Züge einessolchen haben?"—„Ich war es in hohem Grade," antworteteer, „aber ich enthalte mich." — „Vielleicht aus Klugheit?"fragte ich. Er antwortete nicht, stiess aber einen WalterScott'schen Seufzer aus, der einem Gestöhne glich.

Feinschmecker von Standeswegen.

63. Wenn es Feinschmecker aus Vorherbestimmunggibt, so gibt es auch welche von Standeswegen, und hier

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