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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Geborene Feinschmecker.

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Die Näscherinnen haben feinere Züge, zarteres Aussehen,sind niedlicher und unterscheiden sich durch ein ganz eigen-tümliches Zungenschnalzen.

Unter diesen äusseren Zügen muss man die liebenswürdig-sten Gäste suchen; sie nehmen Alles an, was man ihnengibt, essen langsam und kosten mit Ueberlegung. Sie beeilensich nicht, den Ort zu verlassen, wo sie einegewählte Gastfreund-schaft empfing; sie bleiben den Abend über und kennen dieSpiele und Zeitvertreibe, welche zu jeder gastronomischenGesellschaft gehören.

Diejenigen aber, denen die Natur die Fähigkeit derGeschmacksgenüsse versagt hat, haben ein langes Gesicht,lange Nase und glanzlose Augen; welches auch ihr Wuchssein möge, stets haben sie etwas Längliches in ihrem Kör-perbau. Sie haben schwarze und glatte Haare und sindstets mager; sie haben die langen Hosen erfunden.

Die Frauen, welchen die Natur denselben betrübendenFehler angehängt hat, sind eckig, langweilen sich bei Tischeund leben nur von Kartenspiel und Klatscherei.

Diese physiologische Theorie wird hoffentlich nur wenigeGegner finden, denn Jeder kann sie um sich herum bestä-tigen; doch will ich sie durch Thatsachen belegen.

Ich nahm eines Tages an einem grossen Mahle Theil undsass einem sehr hübschen Frauenzimmer gegenüber, derenGesicht ganz Sinnlichkeit war. Ich zischelte meinem Nachbarins Ohr: ein Fräulein mit einem solchen Gesichte müssejedenfalls sehr naschhaft sein. „Welche Thorheit!" antwor-tete mein Nachbar, „sie hat kaum fünfzehn Jahre; dasist noch nicht das Alter zur Feinschineckerei. Indessen —beobachten wir!"

Der Anfang war mir nicht günstig; ich fürchtete, michcompromittirt zu haben; denn während der zwei erstenGänge war die junge Dame ausserordentlich zurückhaltendund ich glaubte schon auf eine Ausnahme gestossen zu sein,wie ja jede Regel sie haben soll. Aber endlich kam das Des-sert, ebenso reichhaltig als prachtvoll, und ich schöpfte wieder

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