122
Definition der Feinschmeckerei.
ihn dann, den kleinen Finger in die Höhe gestreckt, miteinem Glase Chäteau Lafitte oder Clos - Vougeot hinabzu-spülen.
Sie haben vollständig die gesellschaftliche Feinschmeckereivergessen, welche die Eleganz der Athener mit dem Luxusder Römer und der Feinheit der Franzosen verbindet; diemit Einsicht anordnet, mit Kenntniss ausführen lässt, mitEnergie kostet und mit Tiefe urtheilt; eine herrliche Eigen-schaft, die wohl zum Rang einer Tugend erhoben werdenkönnte, jedenfalls aber die Quelle unserer reinsten Genüsse ist.
Definition.
Definiren wir und verstehen wir uns.
Die Feinschmeckerei ist eine leidenschaftliche, überlegteund gewohnheitsgemässe Vorliebe für die Gegenstände, welchedem Geschmacke schmeicheln.
Die Feinschmeckerei ist ein Feind aller Excesse; wersich betrinkt oder eine Unverdauliehkeit zuzieht, wird vonder Liste gestrichen.
Die Feinschmeckerei begreift auch die Näscherei, welchedieselbe Vorliebe für leichte, wenig umfängliche, feine Dingeumfasst, wie Zuckerwerk, Pastetchen etc. Die Näscherei isteine zu Gunsten der Frauen und der ihnen ähnlichen Männereingeführte Modification.
Wie man auch die Feinschmeckerei ansehen möge, stetsverdient sie nur Lob und Aufmunterung.
In physischer Hinsicht ist sie das Resultat und der Beweisdes gesunden, vollkommenen Zustandes der zur Ernährungdienenden Organe.
In moralischer Hinsicht ist sie die unbedingte Unter-werfung unter die Befehle des Schöpfers, der uns anbefahl,zu essen, um zu leben, und der uns zum Essen durch denAppetit einläd, uns durch den Geschmack in Erfüllungunserer Pflicht aufrecht erhält und durch das Vergnügen fürdiese Pflichterfüllung belohnt,