Eigenschaften der Chocolade.
97
sohaft trank man mehr Chocolade als Kaffee, da man sie alsein angenehmes Nahrungsmittel ansah, während man denKaffee als einen Luxustrank für Neugierige betrachtete.
Bekanntlich nannte Linne den Kakaobaum Cacao theo-broma (Göttertrank). Man hat der Ursache dieser schwülsti-gen Benennung nachgeforscht, die Einen schreiben sie derLeidenschaft zu, welche der Gelehrte für den Trank gehabthabe, die Andern dem Wunsche, seinem Beichtvater zu ge-fallen, die Dritten endlich seiner Galanterie, weil eine Königinzuerst den Gebrauch der Chocolade anfing (incertum).
Eigenschaften der Chocolade.
Die Chocolade hat tiefe Untersuchungen hervorgerufen,deren Zweck war, ihre Natur und Eigenschaften zu bestim-men und ob man sie in die Classe der warmen, kalten oderlauen Nahrungsmittel setzen müsse. Diese gelehrten Ab-handlungen haben wenig zur Aufhellung der Wahrheit bei-getragen.
Dio Zeit und die Erfahrung, diese beiden grossen Lehr-meister, haben indessen nachgewiesen, dass eine sorgfältigzubereitete Chocolade ein ebenso gesundes als angenehmesNahrungsmittel ist, das sich leicht verdaut und für die Schön-heit nicht jene nachtheiligen Folgen hat, welche man demKaffee zuschreibt, sondern sie im Gegentheile heilt; dass siebesonders den Personen zuträglich ist, die einer grossenSammlung des Geistes bedürfen, wie den Predigern, denAdvocaten und namentlich den Eeisenden; dass sie denschwächsten Magen zusagt und dass sie endlich vortrefflicheWirkungen in den chronischen Krankheiten zeigt und beiKrankheiten des Pförtners das letzte Hülfsmittel ist.
Die Chocolade verdankt diese verschiedenen Eigenschaftendem Umstände, dass sie eigentlich ein Oelzucker ist und beigleichem Volumen mehr Nährstoff enthält als die meistenübrigen Nahrungsmittel.
Der Kakao war während der Kriegszeit selten und sehrtheuer, man suchte ihn zu ersetzen, aber alle Versuche schlu-
Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks. 7