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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Langes Warten.

sende von Genossen in der Freude ihres Herzens ausrufenhören: Welch' Vergnügen einen guten Appetit zu haben,wenn man gewiss ist, ein vortreffliches Mahl zubekommen !*)

Unterdessen regt sich der ganze Verdauungsapparat:der Magen wird wehleidig; die Magensäfte scharf; die inne-ren Gase wandern mit Geräusch; der Mund füllt sich mitSpeichel; alle Verdauungskräfte stehen auf Wacht, wie Sol-daten, die nur des Befehls zum Einbauen harren. Noch ei-nige Augenblicke und man bekommt krampfhafte Bewegun-gen; man gähnt, leidet — man hat Hunger.

Man kann alle Nuancen dieser verschiedenen Zuständein Gesellschaften beobachten, die das Essen erwarten.

Sie sind so naturgemäss, dass die ausgezeichnetste Höf-lichkeit ihre Symptome nicht verbergen kann; — ich habedaraus den Grundsatz abgeleitet: Genauigkeit ist diennerlässlichste Eigenschaft eines Kochs.

Anekdote.

24. Ich unterstütze diesen wichtigen Grundsatz durchdie Einzelheiten einer Beobachtung, die ich in einer Ver-sammlung machte, wo ich zugegen war:Quorum pars magna fui(Woran ich grossen Antheil hatte)und wo das Vergnügen zu beobachten mich vor den Beklem-mungen des Elends rettete.

Ich war eines Tages bei einem hohen Beamten eingela-den. Die Einladung lautete auf 5 x / 2 Uhr und zur bezeich-neten Stunde war Jedermann zugegen. Man wusste, dassder Gastgeber auf genaues Einhalten der Stunde hielt undzuweilen die Säumigen ausschalt.

*) „Wenn ich nur einmal wieder Appetit haben könnte!" hör-ten wir noch kürzlich einen Freund aus der Tiefe seines Herzensaufseufzen, nachdem er während einer Woche die volle Gastfreund-schaft seiner seit Jahren nicht gesehenen Vaterstadt genossen hatte.

C. V.