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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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18 Analyse der

Sehen wir zu, um unser System zu prüfen, was bei einemessenden und trinkenden Menschen geschieht.

Wenn man z. B. einen Pfirsich isst, so wird man durchden Geruch, der ihm entströmt, angenehm berührt. Mansteckt ihn in den Mund und empfindet ein Gefühl säuerli-cher Frische, welches einladet fortzufahren; dann, in demAugenblicke des Hinabschluckens, wenn der Bissen unterden Nasenhöhlen durchgeht, offenbart sich der Geruch undvervollständigt so die Empfindung, welche ein Pfirsich her-vorrufen soll. Aber erst, wenn man ihn hinabgeschluckt hat,beurtheilt man das Empfundene und sagt sich selbst;vortrefflich!

Ganz so beim Trinken. So lange der Wein noch imMunde ist, hat man eine angenehme, aber keine vollkom-mene Empfindung; erst im Augenblicke, wo man ihn hin-abgeschluckt hat, kann man wirklich die eigenthümlicheBlume einer jeden Weingattung entdecken, schmecken undbeurtheilen, und es braucht einen kleinen Zwischenraum,bevor der Feinschmecker sagen kann: Er ist gut, mittel-mässig oder schlecht; Teufel, es ist Chambertin! GütigerHimmel, es ist Grüneberger!

Man sieht daraus, dass es vollkommen den Grundsätzender Wissenschaft wie einer wohlverstandenen Praxis ent-spricht , wenn die wahren Kenner ihren Wein schlürfen:denn beim Halten nach einem jeden Schlückchen empfindensie ebensoviel Vergnügen, als wenn sie das Glas in einemZuge geleert hätten.

Dasselbe findet, nur noch weit energischer, statt, wennder Geschmack unangenehm berührt werden soll.

Man beobachte einen Kranken, welchem der Arzt einungeheures Glas einer schwarzen Medicin verordnet hat, wieman sie noch unter Ludwig dem Vierzehnten schluckenmusste.

Der Geruch, ein treuer Eckart, warnt ihn vor dem ekel-haften Geschmack des verrätherischen Trankes; seine Augen