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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Analyse der Geschmacksempfindung.

11. Nachdem ich so die Grundlagen festgestellt, halteich dafür, dass der Geschmack drei verschiedene Arten vonEmpfindungen erzeugt: die unmittelbare, die vollkommeneund die reflectirte Geschmacksempfindung.

Die unmittelbare Geschmacksempfindung ist der ersteEindruck, der durch die Thätigkeit der Mundorgane ent-steht, so lange der schmeckbare Körper sich noch auf derVorderzunge befindet.

Die vollkommene Geschmacksempfindung setzt sich ausdem ersten Eindruck und der folgenden Empfindung zu-sammen, welche entsteht, sobald das Nahrungsmittel in dieRachenhöhle gelangt ist und dem ganzen Organe seinen Ge-schmack und Geruch mitgetheilt hat.

Die reflectirte Geschmacksempfindung endlich ist dasUrtheil, welches die Seele über die ihr vermittelten Empfin-dungen der Organe fällt.

einer vollendeten Geschmacksempfindung ist unverkennbar undnicht nur auf den Geruch allein beschränkt.

Das Gesicht nimmt Antheil daran; im Dunkeln schmecken wirschlecht; im Zwielichte täuschen wir uns leicht; helle, doch nichtblendende Erleuchtung ist deshalb das erste Erforderniss eineswohleingerichteten Esszimmers. Selbst der geübteste Weinkenner,der die einzelnen Jahrgänge einer bekannten Lage mit Sicherheitherausschmeckt, täuscht sich leicht, wenn er im Dunkeln weissenWein von rothem unterscheiden soll.

Die Mitwirkung des Geruches ist so bedeutend, dass wir Ge-rüche mit Geschmäcken verwechseln und den Irrthum erst dannunterscheiden können, wenn die Nase verstopft ist. Wir schmeckendie meisten flüchtigen Stoffe und ätherischen Oele in Wahrheitnicht — wir schmecken sie nur als Gerüche. Der Vanille wirdJedermann einen herrlichen Geschmack, dem Knoblauch einen nie-derträchtigen zuerkennen — bei zugehaltener Nase schmeckt aberein Vanilleeis nicht anders als einfach mit Rahm zusammenge-rührtes Eis und hat der Knoblauch keinen Geschmack, sondern

beisst nur auf der Zunge. C. V.

oBrülat-Savarin, Physiologie des Geschmacks. "

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