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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
Entstehung
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6 Harmonie.

Ohne Zweifel begleiteten die Alten ihre Gesänge mitInstrumenten im Einklang; aber darauf beschränkten sichauch ihre Kenntnisse, sie konnten weder die Töne zerlegen,noch ihr Verhältniss zu einander regeln.

Erst seit dem fünfzehnten Jahrhundert hat man dieStufenleiter der Töne festgestellt und den Gang der Accordegeregelt, mittelst welcher man den Gesang unterstützte undden Ausdruck der Gefühle verstärkte.

Diese so späte und doch so natürliche Entdeckung hatdas Gehör verdoppelt und darin zwei gewissermaassen un-abhängige Eigenschaften nachgewiesen, von denen die einedie Töne aufnimmt, die andere ihren Zusammenklangbeurtheilt.

Die deutschen Gelehrten behaupten, dass die für HarmonieEmpfänglichen einen Sinn mehr als andere Leute besitzen.

Die Menschen, für welche die Musik nur ein unbe-stimmtes Gewirr von Tönen ist, singen alle falsch undman muss annehmen, dass ihr Ohr so gebaut ist, dasses nur kurze Schwingungen ohne "Wellen aufnimmt,oder dass ihre beiden Ohren nicht gleich gestimmt sindund die verschiedene Länge und Empfänglichkeit der ein-zelnen Theile der Gehörorgane Ursache ist, weshalb siedem Gehirn nur unbestimmte und verworrene Empfindun-gen mittheilen, etwa wie zwei Instrumente, welche wederin derselben Tonart, noch in demselben Tacte verschie-dene Melodien spielen.

Die letzten Jahrhunderte haben auch den Kreis der Ge-schmacksempfindung wesentlich erweitert. Die Entdeckungdes Zuckers und seiner verschiedenen Zubereitungen, dieweingeistigen Getränke, das Eis, die Vanille, der Thee, derKaffee haben uns bisher unbekannte Geschmacksempfindun-gen zugeführt.

uns überkommenen Denkmalen die Entstehung und den Fortschrittder Harmonie durchaus nicht verfolgen. Wir verdanken sie denArabern, welche die Orgel erfanden, die gleichzeitig mehrere Töneerzeugt und so die Harmonie schuf.

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