mmm
: mSmsm
■■■■i
Die Tatsachen der Einbandgeschichte, die im Vorausgehenden zurKritik der Einbandtechnik und des Einbandschmuckes wie zur Be-stimmung des historischen Einbandes herangezogen wurden undin jedem Einzelfall herangezogen werden müssen, stehen nicht vonvornherein fest. Wohl besteht für die Beurteilung handwerklicher undkünstlerischer Arbeit eine lange Tradition; aber unmerklich wandelnsich die Maßstäbe im Lauf der langen Zeit; nur zu leicht erliegt derMensch der Gegenwart der Gefahr, das Vergangene mit dem Maßstabseiner eigenen Zeit zu messen. Das vornehmste Ziel jeder historischenWissenschaft, die Tatsachen der Vergangenheit aus den Quellenaufzuspüren und aus ihrer Zeit heraus zu erklären, ist auch richtung-gebend für einen der jüngsten Wissenschaftszweige: die Einband-forschung. Vieles aus dem weiten Felde historischer Einbandkunde istvon ihr schon bearbeitet, viele Tatsachen und Zusammenhänge sindin den anfangs genannten historischen Darstellungen, nichts stetsohne noch einer Nachprüfung zu bedürfen, mitgeteilt. Mit den Fort-schritten dieses Forschungszweiges sind die Möglichkeiten gewachsen,kritisch dem historischen Einzelstück gegenüberzutreten. Aber oftnoch ist der historische Sachverhalt nicht restlos geklärt und an vie-len Stellen steht die Forschung vor gänzlich unbearbeiteten Aufga-ben. Wie lange es noch dauern wird, bis ein vollständig zuverlässigesBild der historischen Entwicklung des Bucheinbandes entworfenwerden kann, hängt von der Intensität ab, mit welcher die jungeWissenschaft weiterhin an ihre Aufgaben herangeht.Es ist schwer, die Grenze zu zeigen, wo der Einbandliebhaber auf-hört und der Forscher anfängt; und daneben dem Einbandkennerden richtigen Platz anzuweisen. Eine solche Unterscheidung ist aucherst da nötig, wo die Einstellung zum schön gebundenen Buch sichvon der Freude am Buchkunstwerk zum Interesse am historischenSammelobjekt wandelte. Diese Umstellung hat erst das 19. Jahrhun-
221