dem. Bald darauf beobachtet man sie bei dem braunschweigischenHofbuchbinder Lucas Weischner; bei ihm besteht jedoch der ganzeSchmuck aus einer Platte, die zweimal auf dem Deckel abgedrucktwird und dann für die Mittelporträtplatte den Raum freiläßt; dieBlumenstücke in den Ecken sind naturalistisch in Umrißzeichnunggehalten und der ganze Schmuck wird durch Farben noch kostbarergestaltet. Andere große Platten, die in figürlicher oder ornamentalerWeise die ganzen Deckelflächen schmücken, verleugnen den südwest-lichen Einfluß nicht und müssen als deutsche Weiterbildungen desfranzösischen Einbandes gelten.
Die orientalischen Schmuckweisen fanden in Italien Anwendung inFormen, wie sie für die Entwicklung des abendländischen Einbandesvon ausschlaggebender Bedeutung wurden. Der Knotenstempel gabdem italienischen Einband und seinen Ausläufern noch lange Zeit dasGepräge. Wichtiger aber wurden Arabeske, Blatt und Blattranke undBandwerk für die weitere Entwicklung. Die zuerst ornamental ge-bundene Form der Arabeske, ihre Verwendung für rollenartig fort-laufende Rahmenmuster wie auch für die repetierende Ausfüllung derMittelfläche, wie sie z. B. bei den Einbänden der Giunta geläufig ist,weicht der naturalistischeren Form des Einzelstempels, der auch außer-halb eines dekorativen Zusammenhangs und mit immer neuen Ab-wandlungen verwendet wird. Durch sparsamen Schmuck im ganzenwird der einzelne kleine Stempel in seiner hübschen Zierform betont,zumal wenn die Verbindung mit einfachen Linien den Blick auf dieseSchmuckteile führt. Durch Aldus Manutius gingen viele Bände in denneuen Schmuckweisen in die Welt und verbreiteten den Geschmackan diesen Formen, die zu den schönsten Blüten der Einbandkunstführten, Jahrhunderte herrschten und nie veralten werden. EineGrundform des Schmuckes, die rahmende Goldlinie und an den Eckendas Blattstempelchen, hat hier ihren Ausgangspunkt und bleibt be-stehen durch den Wandel in den Formen der Einzelstempel. Die Rah-menlinie mit den an denEcken außen oder innen angesetzten Schmuck-stücken kehrt bei den Bibliophilen durch drei oder vier Jahrhundertehindurch wieder. Das Zierstück ist auch einmal ein Wappen, ein ge-krönter Buchstabe, ein symbolischer Stempel (Lilie) oder ein „Eck-fleuron" im Stil der Zeit, in Filigran, „Pointille" oder als richtige
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