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Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
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Rolle bald jede leere Stelle vom Buchdeckel aus. Was aber im Grundeden Schmuck des gotischen Bandes ordnete: Der Rahmen, der eines-teils die Vermittlung zwischen Deckelrechteck und innerer Schmuck-fläche bildete, andererseits die innere Fläche in dem äußeren Rahmenangepaßter Form hielt — das blieb bei der Platte so fest bestehen, alsob keine Stilwandlung eingetreten wäre. Selbst die Platte, die als ein-ziges Stück den ganzen Deckelschmuck übernehmen wollte, ordnetesich diesem alten Prinzip ein; nicht selten enthielt sie selbst den Rah-men (Schriftband, Blattornament), der in anderen Fällen von derRolle gedruckt wurde. Nur der Plattenpreßband, der einen leerenschmalen Streifen als Umrahmung erhält —■ möglich nur auf dem klei-nen Oktavband, einem reinen Erzeugnis der Renaissancetypographie— entgeht diesem Gesetz der Einbanddekoration, versucht den Dek-kel so weit wie möglich einer bildlichen Darstellung dienstbar zumachen; und ein wenig spricht dieser Wunsch auch noch aus denPlattenbänden, die mit 2 oder 4 nebeneinandergesetzten — gleichenoder verschiedenen — Platten in möglichst großer Fläche bedecktsind. Die Heimat dieser Schmuckrichtung ist der Westen: Frankreichund die Niederlande haben zu Ende des 15. Jahrhunderts solchePlattenbände in vollendeter Form geschaffen und in England bliebensie noch bis ins 16. Jahrhundert hinein üblich; in Deutschland kom-men sie fast nur am Niederrhein vor.

Platten, welche in 2 Reihen, je 3 oder mehr in Rankenwerk eingerollteMedaillons mit Engeln, Vögeln oder vierfüßigen Tieren zeigen, um-rahmt von einem Schriftband, sind niederländischen Ursprungs; dieumrahmende Schrift nennt auch Buchbindernamen, wie LudovicusBloc und Petrus Elsenus. Zahlreich sind die Platten mit Ganzfigurenvon Heiligen, mit biblischen und weltlichen Darstellungen, unterdenen oft auch der Name des Buchbinders steht; solche Platten sindmeist französischen Ursprungs; die bekanntesten der Namen sindAndre Boule, Robert Mace und Jehan Moulin, der eine „sprechende"Darstellung, einen Müller in verschiedenen Szenen, auf seinen Plat-ten führt. Die englischen Platten dieser Zeit, zu denen die Verleger-bände von Wynkyn de Worde und Richard Pynson gehören — siescheinen an der Übertragung dieser Schmuckform vom Festland hernicht unschuldig zu sein — bringen heraldische Darstellungen (auchdie Wappen der Buchbinder), später mit Vorüebe die Tudorrose.

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