volle Kriterien vermitteln kann: der Bibliotheksband, der heute als diewichtigste Gruppe des Gebrauchseinbandes gelten kann.Die Arbeit des Buchbinders soll in jedem Fall dauerhaft sein; derKunsteinband kann als Kunstwerk und als Gebrauchsgegenstand die-sen Anspruch machen, der Gebrauchsband würde aber seinen Zweckverfehlen, wenn er nicht die ausgiebigste Benützung aushielte.Mehr als der private Büchersammler muß die öffentliche Bibliothekauf Dauerhaftigkeit achten, da ihre Bücherbestände für die Allgemein-heit und für die Zukunft bereitgestellt werden, also der Benützungund der Zeit trotzen müssen. Es wäre unklug, wollte man angesichtsdieser Aufgaben nur aus augenblicklichen Ersparnisgründen das An-lagekapital der Bibliothek durch Verzicht auf Qualität im Einbandaufs Spiel setzen. Im Leben der großen Bibliotheken sind Jahrzehntekurze Zeitspannen, und Bücher, die schon nach so kurzer Zeit ihreHaltung verlieren, sind Schmerzenskinder der Bibliothek. Das Schlim-ste dabei ist, daß Fehler und Mängel oft erst nach längeren Jahren zumVorschein kommen, selbst wenn der Buchbinder beste Arbeit geliefertzu haben glaubt. So traten Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Biblio-theken sogar an wenig gebrauchten Lederbänden Verfallserscheinungenauf, die nur auf das Material zurückgeführt werden konnten. Der so-genannte „rote Verfall" äußert sich darin, daß die Lederoberfläche brichtund in roten Staub zerfällt. Diese Erscheinung bedrohte den Bestandder Bibliotheken an lebenswichtiger Stelle. Zuerst wurden englischeBibliothekare auf die Ursache dieser Erscheinung aufmerksam undsannen auf Vorbeugungsmaßnahmen, die 1901 und dann 1905 vonViscount Cobham und Sir Henry Trueman Wood als „Report of theCommittee on leather for bookbinding" vorgelegt wurden. 1910 be-faßte sich auch der deutsche Bibliothekartag mit der Frage, und imAuftrag der deutschen Bibliothekare arbeiteten Hans Loubier undHans Paalzow, letzterer als Abteilungsdirektor der größten deutschenBibliothek, ersterer als anerkannter Führer unter den buchbinderischbewanderten Bibliothekaren an der Angelegenheit interessiert, imEinverständnis mit jeweils hinzugewählten Fachvertretern aus Hand-werk und Industrie die „Vorschriften für Bibliothekseinbände" aus,die heute als der Kanon des soliden Bucheinbandes in Deutschlandund vor allem in den Bibliotheken gelten (abgedruckt im „Zentralblattfür Bibliothekswesen", Jahrg.28(1911), S. 350fr., und separat). Frei-
126
-**?;«J irf'iHjf «■'*
fcÜBMJB .■ iÜMH