Druckschrift 
Einführung in die Einbandkunde
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Ohne oftmaliges Prüfen einzelner Einbände wird es nicht möglichsein, sich bei Nennung einer Materialbezeichnung eine klare Vorstel-lung von dem Aussehen eines solchen Einbandes zu machen, oderumgekehrt einen Einband beim ersten Betrachten nach seinem Mate-rial zu bestimmen, oder endlich die Richtigkeit von Bezeichnungenzu beurteilen, die einzelnen Einbänden beigelegt sind. Für alle dieseFragen ist ein ausgezeichnetes Hilfsmittel dieMaterialkunde fürBuchbinder" von B. Sulser (2. Aufl., Zürich 1927), da die über 200eingeklebten Muster jeweils ein genaues Vergleichen des vorliegen-den Materials ermöglichen.

Neben den Andeutungen, die man aus den Materialnamen entnehmenkann, gibt es eine ganze Reihe Einbandbezeichnungen, welche Her-kunft oder Bestimmung eines Einbandes in den Vordergrund stellen,Namen, die wieder eine Fülle von feststehenden oder noch fließendenBegriffen in sich schließen. Zu diesen Namen gehören vor allem die,welche die historische Herkunft andeuten wollen, soweit dies nichtdurch Material- oder Stilmerkmale schon angedeutet ist. Eine ver-hängnisvolle Rolle hat da derMönchsband", unter dem man sich dieverschiedensten Einbandarten und deshalb im Einzelfall gar nichtsvorstellen kann. Denn während die Forschung den Mönchen geradedie Herstellung der kunstvollen frühmittelalterlichen Einbände zu-weist und die blindgedruckten Bände des späten Mittelalters zumgroßen Teil als Arbeiten bürgerlicher Buchbinder erkannt hat, wer-den als Mönchsbände meist gerade die letzteren bezeichnet; mit demRecht allerdings, daß die überwiegende Mehrzahl aus denBibliothekender Klöster zu uns gekommen ist. Wenn aber auch die Einbände die-ser Art, die schon gebunden in die Bibliotheken der Klöster kamen,wie dies nachweislich bei vielen Frühdrucken der Fall war, als Mönchs-bände bezeichnet werden, so ist die Verwirrung deutlich, die durchsolche Angaben entstehen kann. Sicher ist also nur die mittelalterlicheEntstehung einesMönchseinbandes". Da es für die einzelnen For-men des mittelalterlichen Einbandes Namen genug gibt, vermeidetman den mißverständlichen am besten ganz.

AlsEinband der Zeit" kann jeder Einband bezeichnet werden, derungefähr in der Zeit entstanden ist wie das enthaltene Buch; der Spiel-raum ist natürlich für die entfernteren Jahrhunderte, für die die ge-

8*

i;

1

"5

w

im